Auftaktkolumne 2018 – Der Wert einer Straße … GeDANKen über DANKbarkeit.

Mit dieser Kolumne hat sich etwas verändert. Der eine oder andere begeisterte Leser hat sicherlich schon gedacht es würde diesmal keine Kolumne geben. Weit gefehlt, der bisherige Erscheinungszeitpunkt am Ende des Jahres ist mir mittlerweile als Tradition sehr ans Herz gewachsen und trotzdem möchte ich ihn aufgeben, weil er mir terminlich zu sehr an der unbeeinflussbaren Vergangenheit orientiert ist. Da ich selbst ein außerordentlich zukunftsorientierter Mensch bin, sollte die Kolumne von nun an besser nicht mehr am Ende eines alten Jahres sondern zu Beginn des neuen Jahres erscheinen und selbiges tut sie augenblicklich. Einziger Wermutstropfen dabei, das Jahr 2017 muss ohne eine Kolumne auskommen. Nun gut das Jahr 2017 wird mir schon vergeben, es ist ja quasi eine unausweichliche Konsequenz.

Nun möchte ich aber endlich über den Wert einer Straße nachsinnen. Nach der allgemeinen gesellschaftlichen Meinung gibt es ja in diesem Bereich qualitativ sehr große Unterschiede. Was wir dabei noch zu klären haben ist, ob die Qualität überhaupt mit dem Wert einer Straße in Verbindung steht. Aber zuerst einmal möchte ich mich grundsätzlichen Fragen zuwenden, die da wären: Was ist die Funktion einer Straße und welchem Zweck dient sie?

Nun eine Straße ist grundsätzlich ein Wegbereiter, das klingt doch schon mal recht gut. Sie ermöglicht also durch ihre bloße Existenz an einen bestimmten Ort zu gelangen. Das würde ich hier mal als die Funktion einer Straße betrachten. Gut, an einen bestimmten Ort gelangen könnte ich auch jederzeit ohne eine Straße. Hier kommt nun der Zweck ins Spiel, dessen Beschreibung ein paar mehr Worte erforderlich macht. Der Zweck einer Straße muss dann zwangsweise sein, dass ich ohne Beil und Machete an einen bestimmten Ort gelangen kann. Die Straße erspart mir demnach das Mitführen diverser Werkzeuge, während ich an einen bestimmten Ort gelangen möchte. Der Zweck einer Straße ist also die Bereitung eines Weges. Aha, daher also die BEREITUNG im Wort WegBEREITUNG. Die Straße bereitet mir den Weg, was ich sonst selbst mit Beil und Machete tun müsste, das finde ich irgendwie nett von der Straße. Also ab jetzt finde ich jede Straße erst einmal sympathisch, weil sie mir eine Menge Aufwand und Zeit spart.

Nun gibt es Zeitgenossen denen würde nicht im Traum einfallen jede Straße sympathisch zu finden, weil sie sich eher für die Qualität einer Straße interessieren und ihnen gewisse Straßen daher einfach unsympathisch wären. Hier hilft es nun, uns einmal dem echten Wert (im Wortsinne) einer Straße zu nähern. Und weil es nur einen Weg zur Ergründung von echten Werten gibt, müssen wir dazu den Weg der Dankbarkeit beschreiten. Nun fragt sich der eine oder andere sicherlich so etwas wie: Ich soll einer Straße dankbar sein? Und ich antworte: Ja, genau darum geht es! Wir nähern uns nun im folgenden mit Dankbarkeit dem Wert einer Straße.

Wofür kann man so einer Straße dankbar sein? Ja, zu aller erst einmal für ihre bloße Existenz. Frei nach dem Motto: „Liebe Straße, ich bin dankbar dafür, dass es Dich gibt oder liebe Straße ich bin dankbar dafür, dass Dich jemand erfunden hat. Ich bin dankbar dafür, dass ich mich nicht jeden Tag durchs Unterholz schlagen muss, um irgendwann zu Hause anzukommen.“ Das klingt jetzt alles noch sehr einfach und platt, aber wir wollen tiefe Dankbarkeit der Straße gegenüber empfinden. Dazu werde ich mich jetzt einer ganz einfachen Straße zuwenden, einer völlig luxusfreien Straße. Nun gut, also danke ich dieser Straße dafür, dass sie unbefestigt ist, weil deshalb niemand (außer ein paar erschütterungsresistenten Mitmenschen) mit einer völlig unangemessenen Geschwindigkeit hindurchdonnert und es in dieser Straße darum weniger gefährlich ist. Prima, eine tolles Exemplar von Straße haben wir hier, sie achtet selbst darauf, dass es in ihr nicht zu gefährlich wird, indem sie hier und da an wechselnden Ort ein paar ordentliche Schlaglöcher entstehen lässt, wodurch sie auch gleich noch für ein niedriges Verkehrsaufkommen sorgt, weil niemand sie freiwillig in seine Wegplanung integriert. Ich danke der Straße aber noch aus einem weiteren Grund für ihr Unbefestigtsein, sie ermöglicht es dem dankbaren Radfahrer einen genüsslichen Slalom um die Schlaglöcher herum zu fahren, das kann auch Spaß machen wenn man es richtig betrachtet und kein missmutiger Zeitgenosse ist. Ich danke der Straße aber auch für das herzliche Kinderlächeln und die strahlenden Kinderaugen die sie erzeugt, wenn sie bereitwillig bei Regen all ihre Schlaglöcher mit Wasser füllt um daraus entzückende Pfützen zu formen in denen es sich herrlich und voller Ausgelassenheit herumspringen lässt (in diesem Zusammenhang möchte ich auch der Waschmaschine für ihre bloße Existenz danken). Alles wofür wir der Straße dankbar sein können führt also am Ende dazu, dass wir etwas zufriedener oder sogar fröhlicher durch die Welt laufen. Der Wert einer Straße ist folglich unabhängig davon wie ihre Qualität ist, der Wert einer Straße hängt vielmehr davon ab, was wir einer Straße an positiven Eigenschaften zugestehen. Wenn eine luxusfreie Straße für uns also nur bedeutet, dass unser Auto ständig schmutzig wird, und es ohnehin nicht gut für das jeweils genutzte Gefährt ist durch die vielen Löcher zu fahren, dann öffnen wir unser Herz eben auch nicht für die Dankbarkeit. Dann fällt uns noch nicht mal ein, dass wir ohne diese Straße den Weg den sie uns bereitet zu Fuß und mit Beil und Machete ausgestattet gehen müssten.

Wer nun glaubt es sei ein wenig lächerlich einer noch so miserablen Straße für überhaupt irgendetwas dankbar zu sein, dem sei gesagt, es ist nur ein einfaches Beispiel. Je weniger Dankbarkeit in Deinem Herzen ist, desto weniger glücklich wirst Du durchs Leben gehen, weil die vielen Wünsche und Ansprüche in Deinem Kopf Dir, für das was Dir schon gegeben ist, den Blick vertrüben. Ich nenne das auch gern Dankbarkeits-Blindheit, wobei nebenbei gesagt der Blinde meist dankbarer ist als der Sehende. Es könnte also für einige Zeitgenossen sinnvoll sein, öfter einmal die Lider zu schließen und die Welt mit den Augen eines Blinden zu sehen um mehr Dankbarkeit empfinden zu können. Nun denn, ich wünsche allzeit DANKbare GeDANKen auf allen Wegen die Du beschreitest. Das neue Jahr könnte für Dich eines der dankbarsten werden.

In jede hohe Freude mischt sich

eine Empfindung der Dankbarkeit.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Raik im Januar 2018

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