Weihnachtskolumne 2012 – Vielfalt … was Tomaten mit der Energiewende gemeinsam haben

Wir leben in einer Welt, zu einer Zeit in der wir von einer Vielfalt umgeben sind, die uns teilweise entmachtend gegenübertritt. Die Menschheit hat derart viel Wissen erlangt, dass sich dieses nicht selten als hinderlich erweist. Aufgrund unseres umfangreichen Wissens sind wir ständig am abwägen: Was wäre besser, einfacher oder genialer? Manchmal vergessen oder versäumen wir darüber auch einmal eine Entscheidung zu fällen. Es fällt uns gar schwer uns überhaupt zu entscheiden, denn was wäre wenn …? Unsere Wahlmöglichkeiten sind so vielfältig und komplex, dass es uns nicht selten misslingt in dieser Vielfalt die Orientierung zu behalten. Nehmen wir einmal das Beispiel der Entscheidungsfindung beim Tomatenkauf.

Da gibt es den „Armen“. Er hat es hierbei am einfachsten, er kauft einfach die günstigste Sorte, weil er sich nur diese leisten kann. Der „Durchschnittliche“ hat es am schwersten, denn er hat die Qual der Wahl. Er kann abwägen ob er die rote, die gelbe, die runde, die ovale, die fleischige, die fruchtige, die Rispe, die Roma oder die Party-Tomate nimmt. Der „Reiche“ hat es nicht ganz so schwer. Er kauft einfach die teuerste. Oder er ärgert sich über die Abwesenheit der völlig überteuerten „Super-Duper ökologischen, fair gehandelten, um die halbe Welt gereisten, Nachhaltigkeits-Bio-Tomate“ aus dem Genlabor und rennt in den nächsten Laden um selbige dort zu finden. Allen dreien ist eines gemeinsam, jeder muss am Ende eine Entscheidung treffen. Tut er dies nicht, ist er der Vielfalt erlegen und geht ohne Tomate nach Hause, was ja irgendwie auch eine Entscheidung wäre.

Nun einmal zu einem etwas komplexeren Thema, der Energiewende. Von den preiswertesten und am einfachsten zu regelnden Formen der Energiegewinnung verabschieden wir uns so langsam. Ein guter Schritt in die richtige Richtung hört man von überall her. Nun wird der Strom aber teurer, das ist aber blöd, hört man von überall her. Wir wollen am liebsten zum Preis des Kohle-Kernenergie-Mixes den „Super-Duper. ökologischen, fair gehandelten, ungefährlichen Nachhaltigkeits-Bio-Strom“ aus der Steckdose. Wie aufwendig es in Zukunft sein wird, ihn dort hin zu bekommen, darüber machen wir uns keine Gedanken. Auch hier sind die Möglichkeiten sehr vielfältig. Wir können Solarkraftwerke, Blockheizkraftwerke, Windkraftanlagen, Biomassekraftwerke, Wasserkraftwerke und noch einige andere nutzen, um die dort gewonnene Energie dann mittels noch nicht vorhandener Infrastruktur in Form von Hochspannungstrassen über das gesamte Land zu verteilen. Das wird uns noch lange viel Geld und Mühe kosten, aber am Ende wird es unsere Welt ein wenig sauberer und sicherer machen, und das wiederum wollen wir im Grunde doch alle, nicht wahr? Die Entscheidung darüber, wie wir uns in Zukunft mit Strom versorgen, fällt nun aber nicht wie beim Tomatenkauf jeder einzelne von uns. Vielmehr ist es eine Entscheidung unserer Regierung. Möglicherweise hat diese etwas zu schnell entschieden, aber vielleicht wäre es übler gewesen ohne Tomate nach Hause zu gehen und alles so zu lassen wie es war. Wir werden es nie erfahren, denn entschieden ist entschieden. So ist es oft im Leben, wer keine Entscheidung trifft erliegt der Vielfalt der Wahlmöglichkeiten. Wer sich entscheidet, entscheidet sich auch für die Konsequenzen.

Wir könnten ja vielleicht in Zukunft nur noch die billigste Tomate kaufen, um mit dem dort eingesparten Geld die Energiewende zu bezahlen? Viel öfter sollten wir uns fragen, was gibt es wesentliches im Leben, was ist existenziell wichtig, was ist die Essenz unseres Lebens und wie wollen wir diese bewahren? Verzicht auf der einen Seite kann Gewinn auf der anderen bedeuten? Hier entscheidet nun wieder jeder für sich, wie demütig er dem Leben gegenübertritt, gleich ob beim Tomatenkauf oder bei der Energiewende.

Wann immer wir also mal wieder Tomaten auf den Augen haben und der Durchblick ein unbekannter Fremder geworden ist, wird es Zeit die Tomaten (ganz gleich ob es gelbe, rote, runde, ovale, fleischige, fruchtige, Rispe oder Roma sind) abzunehmen und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Was an Konstanz nie verlieren wird, sind unsere Werte. Sie sind fest in uns verankert, seit Generationen. Das Menschsein wohnt uns inne und wenn wir uns darauf besinnen, spüren wir wie nahe und vertraut uns die Einfachheit ist und uns gut tut. Es lohnt sich ab und an der Vielfalt den Rücken zu kehren und ohne Tomaten nach Hause zu gehen. Wiederum gibt es Situationen in denen Entscheidungen von größter Bedeutung für das fortbestehen unserer Welt sind.

Noch vor rund 70 Jahren ging es hierzulande eher darum zu überleben. Diese Sorge haben wir heute nicht mehr, vielmehr sind wir damit beschäftigt unser Leben frei zu gestalten. Die existenzielle Frage stellt sich uns heute gar nicht mehr und dadurch vergessen wir oft was das Essentielle in unserem Leben ist. Wir leben in einem Land, in dem jeder versorgt ist, es niemandem an existenziellen Dingen fehlt. Wenn wir das Gefühl haben es fehle uns etwas, befinden wir uns bereits im gestalterischen und nicht im existenziellen Bereich. Lehnen wir uns also zurück, besinnen uns auf das Wesentliche so werden wir zufriedener, glücklicher und demütiger in die Welt blicken. Alles was es dazu braucht ist die Bereitschaft einige von unseren gestalterischen Wünschen aufzugeben. Das wäre ein guter Vorsatz für 2013!

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine zauberhafte Weihnachtszeit mit von Ökostrom erleuchtetem Baum und einfachen Tomaten, aber vor allem ein von Liebe, Wärme und Zufriedenheit erfülltes Fest. Genießt die schmackhaften Speisen, weihnachtlichen Düfte, harmonischen Klänge, glänzenden Lichter und die warme Geborgenheit. Genießt mit allen Sinnen.

Die letzten Worte spricht in diesem Jahr Friedrich von Bodenstedt:

Wer nicht den tiefen Sinn des Lebens im Herzen sucht, der sucht vergebens. Kein Geist, und sei er noch so reich, kommt einem edlen Herzen gleich.“

Raik im Dezember 2012

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