Weihnachtskolumne 2013 – Erwartungen … warum ihnen die Enttäuschung inne wohnt und die Folgen.

Erwartungen haben wir alle. An uns selbst, an unser Leben, an andere und vielleicht sogar an die Welt insgesamt. Grundsätzlich sind Erwartungen sehr nützlich, denn sie helfen uns persönliche Ziele zu erreichen. Das ist gut, solange es tatsächlich der Erreichung unserer persönlichen Ziele dient. Nur all zu oft werden Erwartungen von außen an uns herangetragen und wir neigen nicht weniger oft dazu sie unbedingt erfüllen zu wollen. Hierbei passiert nun folgendes. Die Erwartungen von außen werden wie von selbst zu unseren eigenen Erwartungen an uns selbst und wir bemerken oft gar nicht was da eigentlich geschieht. So haben wir dann innerlich die Erwartung, die Erwartungen der anderen erfüllen zu müssen.

Tritt jemand mit einer Erwartung an uns heran könnten wir uns aber auch sagen: „Gut, das sind deine Erwartungen. Ich persönlich habe an mich selbst die Erwartung, alles in meiner Macht stehende zu tun, um deiner Erwartung möglichst nahe zu kommen.“ Wenn wir so reagieren, wird die Erwartung des anderen nicht automatisch zu unserer eigenen. Wir räumen uns in gewissem Maße einen mehr oder weniger großen Spielraum ein, indem wir uns bereiterklären unser möglichstes zu tun. Wir geben jedoch nicht unser Einverständnis eine hundertprozentige Erwartungserfüllung zu garantieren. Die Erwartung des anderen ist somit nicht zu unserer eigenen Erwartung geworden. Vielmehr haben wir uns im Geiste so eine Art Unter-Erwartung kreiert, welche dann unserer ganz persönlichen Erwartung gegenüber der Erwartung des anderen entspricht. Nun könnte der andere am Ende sagen: „Du hast meine Erwartungen nicht erfüllt“. Eine mögliche Antwort wäre: „Ja richtig, dass war auch nicht meine Aufgabe, denn es waren deine Erwartungen. Meine Erwartung war mein bestes zu geben und das habe ich getan. Wenn mein bestes nicht ausreichend war, könnte an deiner Erwartung etwas nicht korrekt gewesen sein.“ Werden die Erwartungen der anderen jedoch zu unseren eigenen Erwartungen an uns selbst und werden diese schlussendlich nicht erfüllt, erleben wir selbst und die anderen eine Enttäuschung. Wandeln wir die Erwartungen anderer um, bevor wir sie uns zu eigen machen , schafft uns dies ein wenig Freiheit und wir sind am Ende vielleicht selbst gar nicht enttäuscht, sondern nur die anderen.

Haben wir selbst Erwartungen an andere, wohnt jenen Erwartungen bereits die Enttäuschung inne, denn unsere eigenen Erwartungen werden nie gleich den Erwartungen der anderen sein. So planen wir also mittels unserer Erwartungen an andere unsere eigenen Enttäuschungen. Je genauer wir unsere Erwartungen mit denen der anderen abgleichen, desto weniger werden wir am Ende enttäuscht sein. Also sollten wir mutig sein und unsere Erwartungen mit anderen besprechen und abgleichen.

Was die Erwartungen an uns selbst betrifft, sollten wir realistisch sein und nicht zu viel von uns erwarten. So können wir Enttäuschungen vermeiden, denn pro erfahrener Enttäuschung, unabhängig von deren Größe, brauchen wir acht positive Erfahrungen, um die Enttäuschung wieder auszugleichen und das Gleichgewicht herzustellen. Wir sollten demnach lieber kleinere Erwartungen haben, die auch erfüllbar sind. So vermeiden wir von vornherein enttäuscht zu werden.

Nun könnte sich so ein ganz schlauer denken, dann erwarte ich eben nichts mehr. Nun so einfach ist das nun auch wieder nicht. Indem er nichts erwartet, erwartet er ja von sich das ihm dieses Experiment gelingt. Und so liegt selbst im nichts erwarten eine Erwartung.

Hin wie her, ohne Erwartungen kommen wir wohl im Leben nicht aus. Es ist also gut sich mit den Erwartungen anzufreunden, sie liebevoll zu gestalten und nicht zu groß werden zu lassen. Je achtsamer wir mit den eigenen und den Erwartungen der anderen umgehen, desto weniger Enttäuschungen durch unerfüllte Erwartungen werden wir erfahren.

Immer wieder erfahren wir in Gesprächen über den Alltag, dass die Erwartungen auch im Arbeitsleben immer größer werden und der persönliche Druck zunimmt. Dieser Druck entsteht jedoch nur, wenn wir uns äußere Erwartungen zu eigen machen, sie folglich für unsere eigenen Erwartungen halten und zu erfüllen versuchen. Hier hilft es auch mal zu prüfen, ob eine von außen kommende Erwartung unter realistischen Gesichtspunkten realisierbar ist. Wenn nicht, dann können wir eine Erwartung auch einmal besprechen und korrigieren. Ist dies nicht möglich kann eine Erwartung auch einmal nicht erfüllt werden, wenn diese nicht den eigenen Wertmaßstäben für Erwartungen entspricht.

Nur Mut auch einmal „NEIN“ zu sagen braucht man dafür. Dieser Mut wird belohnt, denn er schafft uns die Freiheit auch einmal Luft zu holen, Ruhe für Entspannung zu finden und Erfolge durch erfüllte Erwartungen zu erleben. Erwarten wir doch auch einmal von uns selbst, etwas für unsere Seele zu tun, einfach mal abzuschalten und unsere Sinne zu schärfen und ganz bei uns zu sein.

Gerade in der Weihnachtszeit sollten wir achtsam mit unseren Sinnen umgehen. Es ist die Zeit der Düfte, Leckereien, Klänge, Lichter und Wärme. Für jeden Sinn ist etwas dabei. Jagen wir doch einmal nicht irgendwelchen Erwartungen hinterher, die mal eben noch schnell erfüllt werden müssen. Lassen wir diese sinnliche Zeit nicht an uns vorbeirauschen, genießen wir wieder etwas Ruhe.

Nun bleibt mir noch allen ein besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen, ein Fest ohne große Erwartungen an dem wir dankbar sind für das was uns gegeben ist. Üben wir uns doch einmal darin nichts zu erwarten, einfach einmal in Dankbarkeit alles anzunehmen was uns umgibt. Bewahren wir uns in 2014 unsere persönliche Freiheit. Ich wünsche uns allen einen guten Start.

Die letzten Worte spricht in diesem Jahr Benjamin Franklin:

Nichts schmerzt so sehr wie fehlgeschlagene Erwartungen, aber gewiß wird auch durch nichts ein zum Nachdenken fähiger Geist so lebhaft wie durch sie erweckt, die Natur der Dinge und seine eigene Handlungsweise zu erforschen, um die Quelle seiner irrigen Voraussetzungen zu entdecken und womöglich künftig richtiger zu ahnen.“

Raik im Dezember 2013

 

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