Weihnachtskolumne 2016 – Fordern oder Fördern? … der feine Unterschied und was er mit Gefühlen zu tun hat.

Der kluge Kopf hat gleich erkannt, der Unterschied liegt auf der Hand. Das o zum ö geschwind gemacht, das macht den Unterschied wer hät’s gedacht.

Der kluge Bauch hält kurz mal inne und schärft derweilen seine Sinne. Wenn ich’s mal näher mir betrachte, gibt es noch mehr worauf man achte.

Das Fordern an sich beinhaltet wohl so eine Art Erwartung hinsichtlich eines bestimmten Zieles. Wird etwas gefordert spielt es keine Rolle, was derjenige für den die Forderung gilt dazu für eine Meinung hat. Er kann diese zwar äußern hat aber damit nur wenig Einfluss auf das Geforderte. Hier kann also durchaus ein gewisses Ohnmachtsgefühl dafür sorgen, dass sich eine instabile Gemütslage bildet.

Das Fördern dagegen beinhaltet eine Art Wohlwollen dem Geförderten gegenüber. Im Grunde ist es sogar so, dass der Förderer im besten Falle fördert ohne ein Ziel oder eine Erwartung zu verfolgen. Das wäre dann die höchste und beste Form der Förderung. Dabei wird in vollem Umfange der Förderung darauf vertraut, dass diese ihrer besten Verwendung zugeführt wird. Hierbei wird auf eine Kontrolle gänzlich verzichtet. Der wahre Förderer glaubt also bedingungslos an das Gute und hat weder Erwartungen noch eigene Wünsche die er einbringt. Ist das nicht der Fall, so wird das ö schnell zum o und geschwind aus dem Förderer ein Forderer, womit wir dann auch gleich wieder bei den schlechten Gefühlen wären. Drum möge jeder der glaubt jemanden zu fördern peinlichst darauf achten, dass er dies auch wirklich bedingungslos und folglich ohne Erwartungen und Rückvergütungsansprüche tut. Zu fördern bedeutet eben auch loslassen können, während man Wege und Möglichkeiten eröffnet. Wer darin ein Meister ist, hat auch verstanden, was bedingungslose Liebe ist. Es ist eine Liebe, der Liebe zum Menschen wegen. Es ist eine Liebe die nicht fragt: „Wer bist Du ?, Was hast Du geleistet ?, Was willst Du noch erreichen ?“ Der wahre Förderer stellt keine Fragen, er sagt nur: „Es ist schön, dass es Dich gibt so wie Du bist und deshalb möchte ich Dich unterstützen und wenn Du auf Deinem Wege meine Hilfe benötigst, so bitte ich Dich mich zu fragen. Ich bin für Dich da, wann immer Du mich brauchst!“ Er gibt folglich auch nicht ungefragt Ratschläge und wenn er danach gefragt wird, so wird er stets mehr als eine Möglichkeit aufzeigen, damit sein Gegenüber sich frei fühlt in seiner Entscheidung! Ein wahrer Förderer liefert einfach keine Patentrezepte, er liefert ausschließlich Wahlmöglichkeiten!

Soweit eine theoretische Betrachtung. Nun möchte ich jedoch einmal zur Praxis übergehen, es folgt also der Teil in dem es amüsant werden könnte, nein es wird definitiv amüsant.

Ich beginne also gleich mit dem offensichtlichen Förderer. Das ist dann quasi so ein Typ der schon mit der Geldbörse herumwedelt, bevor er in Erfahrung gebracht hat ob ein Wunsch nach Förderung überhaupt besteht. Sollte seine Förderung auf Zuspruch stoßen, so wird er alsbald beginnen Fragen zu stellen und Forderungen einzubringen, er ist also ein getarnter Forderer !!! Man nehme sich vor ihm in Acht, er glaubt nämlich eine Förderung bestehe im Grunde nur aus finanziellem Wohlwollen mit dem Anspruch auf eine angemessene Rückvergütung! Im Grunde geht es ihm in den meisten Fällen um Ruhm. Na da kann man doch nur gratulieren, so schafft er es gleich zu Beginn ein schlechtes Gefühl zu verbreiten und doch glaubt die halbe Welt, dass er ein Förderer sei. Es ist eben so, dass sich keiner daran stört, wenn jemand mit Geld um sich wirft solange es einem guten Zweck dient. Es erkennen die wenigsten, dass er in Wahrheit nicht fördert. Nun gut, hoffen wir das die Mehrheit eines Tages erhellt werden möge und er dann zur aussterbenden Art der vermeintlichen Förderer gehören möge.

Der zweiten Art Förderer, ist der Egoist in den Leib gefahren. Er kommt direkt als erstes mit seiner Forderung aus der Höhle, bevor er überhaupt erwähnt wie er fördern möchte. Er versteckt sich also gar nicht erst sondern lässt für das geübte Auge gleich erkennen, dass er ein Forderer ist. Das ungeübte Auge ist jedoch blind für diese Unterart des vermeintlichen Förderers, es sieht daher ganz klar und deutlich, dass es sich um jemanden handelt der bereit ist etwas zu geben, wenn er dafür etwas bekommt, denn er stellt seine Forderung so offensichtlich, das sich ganz eindeutig das allgemein anerkannte Geben-und-Nehmen-Prinzip widerspiegelt. Da er sich selbst aber als Förderer ausgibt, beinhaltet seine ach so milde Gabe gleich auch das Entstehen schlechter Gefühle, denn ein wahrer Förderer erwartet keine Gegenleistung.

Nun gibt es eine scheinbar vom Aussterben bedrohte Art, den wahren Förderer. Über selbigen habe ich eingangs schon ein paar Worte geschrieben. Nun wollen wir uns dieses Prachtexemplar menschlicher Existenz doch noch ein wenig genauer in seinem praktischen Dasein nähern. Eines sei gleich vorweg erwähnt. Es ist, im Gegensatz zu den vermeintlichen Förderern, bei ihm nicht möglich, dass er versehentlich oder vorsätzlich seine zwei Punkte über dem ö verliert, denn er ist von Natur aus ein Förderer. Das gemeinhin gültige Geben-und-Nehmen-Prinzip ist ihm völlig fremd, was eine wahre Förderung im übrigen erst ermöglicht. Aber dazu später mehr. Zuallererst ist dem wahren Förderer bewusst, dass eine Förderung in ihrem grundsätzlichen Wesen schon vor der Erfindung des Geldes existierte und somit nicht im geringsten auf die Existenz des Selbigen angewiesen ist. Er ist folglich losgelöst von dem Gedanken eine Förderung müsse in finanzieller Form geschehen, um eine Förderung sein zu können. Er ist sich dessen Gewiss, dass seine Förderung den richtigen Weg finden wird egal in welcher Form sie auch immer erfolgen möge. Für die phantasielosen Zeitgenossen füge ich hier einmal einige Beispiele an. Er kann durch sein Wissen, seine Erfahrung, seine Weisheit, seine Ruhe, seine Ausgeglichenheit usw. fördern. Wem jetzt hier schon die nötige Vorstellungskraft abhanden gekommen ist, der möge kurz inne halten und sich fragen, welcher Art von Förderer er derzeit gedanklich am nächsten ist und sich entscheiden auf welche Seite er sich zukünftig schlagen möchte.

Nun gut ich werde einmal fortfahren mit dem althergebrachten Geben-und-Nehmen-Prinzip. Es gibt eine dem Urvertrauen entspringende Sicherheit, die diesem Prinzip zum verwechseln ähnlich ist, jedoch bei genauerer Betrachtung grundverschieden ist. „Ich kann geben, weil ich weiß, dass auch mir gegeben wird. Wenn mir gegeben wird, nehme ich was ich brauche, alles andere gebe ich weiter. Es gibt von allem genug, für alle.“ Diesem Grundsatz, der in keinster Weise einem kommunistischen Gedanken entsprungen ist, hat sich wohl der wahre Förderer verschrieben. Er gibt ohne jede Frage nach der Verwendung, er hilft nur wenn er darum gebeten wird, er drängt sich nicht auf, er gibt Rat, wenn er auf Ratlosigkeit trifft und bei allem was er tut ist er ohne Erwartung. Es ist ihm demnach egal ob seine Ratschläge erhört werden, es genügt ihm völlig, dass er sie geben konnte. Und jetzt kommt das was ihn so besonders macht, er fragt hinterher nicht, warum hast Du meinen Rat nicht befolgt. Er weiß eben, dass eigene Wege jene sind, die uns am reichsten an Erfahrungen machen und betrachtet sich eben nur als einen Wegbereiter nicht mehr und nicht weniger!

Zum Abschluss möchte ich nun noch ein kleines alltägliches Beispiel anführen. Ein obdachloser Mann sitzt im Winter in der Fußgängerzone im Schneidersitz und hat vor sich einen Hut platziert. Ein Passant kommt vorbei und wirft eine Münze in den Hut, der Obdachlose bedankt sich freundlich. Die Theorie, der Obdachlose bittet mit seinem aufgestellten Hut um Hilfe, das ist in soweit eindeutig, als man davon ausgehen kann, dass er den Hut dort im Winter nicht platziert hat, weil ihm zu warm auf dem Kopf gewesen ist. Es handelt sich also im Grunde um eine Bitte nach einer wahren Förderung, denn was mit dem eingeworfenen Gelde geschieht, weiß ein jeder der etwas hineinwirft nicht. Manch ein Passant möge sich genötigt fühlen etwas hineinzuwerfen und den Hut als Forderung betrachten, diese Art von Passant klammern wir nun einfach mal aus. Nun gut es ist also ungewiss was mit dem Gelde geschehen wird, sobald es den Boden des Hutes in Richtung Hosentasche des Obdachlosen verlassen hat. Jetzt könnte nun ein Passant kommen den diese Ungewissheit stört und der im Glauben der Obdachlose werde es verspeisen, ein leckeres frisches belegtes Brötchen in den Hut legt. Nun dem wird wohl auch so sein, dass der Obdachlose das Brötchen vertilgt und er wird sicher auch dankbar dafür sein, jedoch hat der Passant seine eigene Erwartung mit in den Hut gelegt und sich damit vom wahren Förderer entfernt. Was übrigens der erste Passant auch getan hat, denn er nimmt auf Grund gesellschaftlicher Prägung an, dass der Obdachlose auf Geld aus ist.

Nun es mangelt an Passanten nicht und so kommt ein dritter des Weges, sieht den Obdachlosen mit seinem Hut, hält kurz inne und tut etwas ungewöhnliches. Er setzt sich schweigend im Schneidersitz neben den Obdachlosen und stellt seinen eigenen Hut vor sich selbst hin. Eine Weile herrscht Stille, dann schauen sich beide an und der Passant fragt den Obdachlosen ganz leise etwas. Der Obdachlose antwortet ihm, woraufhin beide ihre Hüte nehmen und gemeinsam fortgehen. Am nächsten Morgen sitzt der Obdachlose wider an gleicher Stelle, aber es hat sich etwas verändert, er trägt den Hut auf seinem Kopf anstatt ihn vor sich hinzustellen.

Was war geschehen. Der Obdachlose war an einen wahren Förderer geraten, denn er hat ihm nicht einfach Geld in den Hut geworfen, oder ihm ein leckeres Brötchen hineingelegt. Es geht eben nicht immer um Geld und wir wissen eben nur selten was andere wirklich brauchen. Der dritte Passant hatte sich sich zunächst einmal auf die Ebene des Obdachlosen begeben und ihn dann gefragt: „Guter Mann, was fehlt Dir am meisten“ und der Obdachlose hatte geantwortet: „Ich wäre gern an Weihnachten nicht allein“. Und so kam es, dass er am 25. Dezember wieder an gleicher Stelle saß, den Hut auf dem Kopf tragend sich in Zufriedenheit wiegend, wohl wissend, dass es jemanden gab der ihm ein Wunsch erfüllte, nur weil er unvoreingenommen und ohne eigene Erwartungen auf ihn zuging. Es will eben nicht jeder Obdachlose ein neues Leben anfangen …!

Raik im Dezember 2016

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