Auftaktkolumne 2018 – Der Wert einer Straße … GeDANKen über DANKbarkeit.

Mit dieser Kolumne hat sich etwas verändert. Der eine oder andere begeisterte Leser hat sicherlich schon gedacht es würde diesmal keine Kolumne geben. Weit gefehlt, der bisherige Erscheinungszeitpunkt am Ende des Jahres ist mir mittlerweile als Tradition sehr ans Herz gewachsen und trotzdem möchte ich ihn aufgeben, weil er mir terminlich zu sehr an der unbeeinflussbaren Vergangenheit orientiert ist. Da ich selbst ein außerordentlich zukunftsorientierter Mensch bin, sollte die Kolumne von nun an besser nicht mehr am Ende eines alten Jahres sondern zu Beginn des neuen Jahres erscheinen und selbiges tut sie augenblicklich. Einziger Wermutstropfen dabei, das Jahr 2017 muss ohne eine Kolumne auskommen. Nun gut das Jahr 2017 wird mir schon vergeben, es ist ja quasi eine unausweichliche Konsequenz.

Nun möchte ich aber endlich über den Wert einer Straße nachsinnen. Nach der allgemeinen gesellschaftlichen Meinung gibt es ja in diesem Bereich qualitativ sehr große Unterschiede. Was wir dabei noch zu klären haben ist, ob die Qualität überhaupt mit dem Wert einer Straße in Verbindung steht. Aber zuerst einmal möchte ich mich grundsätzlichen Fragen zuwenden, die da wären: Was ist die Funktion einer Straße und welchem Zweck dient sie?

Nun eine Straße ist grundsätzlich ein Wegbereiter, das klingt doch schon mal recht gut. Sie ermöglicht also durch ihre bloße Existenz an einen bestimmten Ort zu gelangen. Das würde ich hier mal als die Funktion einer Straße betrachten. Gut, an einen bestimmten Ort gelangen könnte ich auch jederzeit ohne eine Straße. Hier kommt nun der Zweck ins Spiel, dessen Beschreibung ein paar mehr Worte erforderlich macht. Der Zweck einer Straße muss dann zwangsweise sein, dass ich ohne Beil und Machete an einen bestimmten Ort gelangen kann. Die Straße erspart mir demnach das Mitführen diverser Werkzeuge, während ich an einen bestimmten Ort gelangen möchte. Der Zweck einer Straße ist also die Bereitung eines Weges. Aha, daher also die BEREITUNG im Wort WegBEREITUNG. Die Straße bereitet mir den Weg, was ich sonst selbst mit Beil und Machete tun müsste, das finde ich irgendwie nett von der Straße. Also ab jetzt finde ich jede Straße erst einmal sympathisch, weil sie mir eine Menge Aufwand und Zeit spart.

Nun gibt es Zeitgenossen denen würde nicht im Traum einfallen jede Straße sympathisch zu finden, weil sie sich eher für die Qualität einer Straße interessieren und ihnen gewisse Straßen daher einfach unsympathisch wären. Hier hilft es nun, uns einmal dem echten Wert (im Wortsinne) einer Straße zu nähern. Und weil es nur einen Weg zur Ergründung von echten Werten gibt, müssen wir dazu den Weg der Dankbarkeit beschreiten. Nun fragt sich der eine oder andere sicherlich so etwas wie: Ich soll einer Straße dankbar sein? Und ich antworte: Ja, genau darum geht es! Wir nähern uns nun im folgenden mit Dankbarkeit dem Wert einer Straße.

Wofür kann man so einer Straße dankbar sein? Ja, zu aller erst einmal für ihre bloße Existenz. Frei nach dem Motto: „Liebe Straße, ich bin dankbar dafür, dass es Dich gibt oder liebe Straße ich bin dankbar dafür, dass Dich jemand erfunden hat. Ich bin dankbar dafür, dass ich mich nicht jeden Tag durchs Unterholz schlagen muss, um irgendwann zu Hause anzukommen.“ Das klingt jetzt alles noch sehr einfach und platt, aber wir wollen tiefe Dankbarkeit der Straße gegenüber empfinden. Dazu werde ich mich jetzt einer ganz einfachen Straße zuwenden, einer völlig luxusfreien Straße. Nun gut, also danke ich dieser Straße dafür, dass sie unbefestigt ist, weil deshalb niemand (außer ein paar erschütterungsresistenten Mitmenschen) mit einer völlig unangemessenen Geschwindigkeit hindurchdonnert und es in dieser Straße darum weniger gefährlich ist. Prima, eine tolles Exemplar von Straße haben wir hier, sie achtet selbst darauf, dass es in ihr nicht zu gefährlich wird, indem sie hier und da an wechselnden Ort ein paar ordentliche Schlaglöcher entstehen lässt, wodurch sie auch gleich noch für ein niedriges Verkehrsaufkommen sorgt, weil niemand sie freiwillig in seine Wegplanung integriert. Ich danke der Straße aber noch aus einem weiteren Grund für ihr Unbefestigtsein, sie ermöglicht es dem dankbaren Radfahrer einen genüsslichen Slalom um die Schlaglöcher herum zu fahren, das kann auch Spaß machen wenn man es richtig betrachtet und kein missmutiger Zeitgenosse ist. Ich danke der Straße aber auch für das herzliche Kinderlächeln und die strahlenden Kinderaugen die sie erzeugt, wenn sie bereitwillig bei Regen all ihre Schlaglöcher mit Wasser füllt um daraus entzückende Pfützen zu formen in denen es sich herrlich und voller Ausgelassenheit herumspringen lässt (in diesem Zusammenhang möchte ich auch der Waschmaschine für ihre bloße Existenz danken). Alles wofür wir der Straße dankbar sein können führt also am Ende dazu, dass wir etwas zufriedener oder sogar fröhlicher durch die Welt laufen. Der Wert einer Straße ist folglich unabhängig davon wie ihre Qualität ist, der Wert einer Straße hängt vielmehr davon ab, was wir einer Straße an positiven Eigenschaften zugestehen. Wenn eine luxusfreie Straße für uns also nur bedeutet, dass unser Auto ständig schmutzig wird, und es ohnehin nicht gut für das jeweils genutzte Gefährt ist durch die vielen Löcher zu fahren, dann öffnen wir unser Herz eben auch nicht für die Dankbarkeit. Dann fällt uns noch nicht mal ein, dass wir ohne diese Straße den Weg den sie uns bereitet zu Fuß und mit Beil und Machete ausgestattet gehen müssten.

Wer nun glaubt es sei ein wenig lächerlich einer noch so miserablen Straße für überhaupt irgendetwas dankbar zu sein, dem sei gesagt, es ist nur ein einfaches Beispiel. Je weniger Dankbarkeit in Deinem Herzen ist, desto weniger glücklich wirst Du durchs Leben gehen, weil die vielen Wünsche und Ansprüche in Deinem Kopf Dir, für das was Dir schon gegeben ist, den Blick vertrüben. Ich nenne das auch gern Dankbarkeits-Blindheit, wobei nebenbei gesagt der Blinde meist dankbarer ist als der Sehende. Es könnte also für einige Zeitgenossen sinnvoll sein, öfter einmal die Lider zu schließen und die Welt mit den Augen eines Blinden zu sehen um mehr Dankbarkeit empfinden zu können. Nun denn, ich wünsche allzeit DANKbare GeDANKen auf allen Wegen die Du beschreitest. Das neue Jahr könnte für Dich eines der dankbarsten werden.

In jede hohe Freude mischt sich

eine Empfindung der Dankbarkeit.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Raik im Januar 2018

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Weihnachtskolumne 2016 – Fordern oder Fördern? … der feine Unterschied und was er mit Gefühlen zu tun hat.

Der kluge Kopf hat gleich erkannt, der Unterschied liegt auf der Hand. Das o zum ö geschwind gemacht, das macht den Unterschied wer hät’s gedacht.

Der kluge Bauch hält kurz mal inne und schärft derweilen seine Sinne. Wenn ich’s mal näher mir betrachte, gibt es noch mehr worauf man achte.

Das Fordern an sich beinhaltet wohl so eine Art Erwartung hinsichtlich eines bestimmten Zieles. Wird etwas gefordert spielt es keine Rolle, was derjenige für den die Forderung gilt dazu für eine Meinung hat. Er kann diese zwar äußern hat aber damit nur wenig Einfluss auf das Geforderte. Hier kann also durchaus ein gewisses Ohnmachtsgefühl dafür sorgen, dass sich eine instabile Gemütslage bildet.

Das Fördern dagegen beinhaltet eine Art Wohlwollen dem Geförderten gegenüber. Im Grunde ist es sogar so, dass der Förderer im besten Falle fördert ohne ein Ziel oder eine Erwartung zu verfolgen. Das wäre dann die höchste und beste Form der Förderung. Dabei wird in vollem Umfange der Förderung darauf vertraut, dass diese ihrer besten Verwendung zugeführt wird. Hierbei wird auf eine Kontrolle gänzlich verzichtet. Der wahre Förderer glaubt also bedingungslos an das Gute und hat weder Erwartungen noch eigene Wünsche die er einbringt. Ist das nicht der Fall, so wird das ö schnell zum o und geschwind aus dem Förderer ein Forderer, womit wir dann auch gleich wieder bei den schlechten Gefühlen wären. Drum möge jeder der glaubt jemanden zu fördern peinlichst darauf achten, dass er dies auch wirklich bedingungslos und folglich ohne Erwartungen und Rückvergütungsansprüche tut. Zu fördern bedeutet eben auch loslassen können, während man Wege und Möglichkeiten eröffnet. Wer darin ein Meister ist, hat auch verstanden, was bedingungslose Liebe ist. Es ist eine Liebe, der Liebe zum Menschen wegen. Es ist eine Liebe die nicht fragt: „Wer bist Du ?, Was hast Du geleistet ?, Was willst Du noch erreichen ?“ Der wahre Förderer stellt keine Fragen, er sagt nur: „Es ist schön, dass es Dich gibt so wie Du bist und deshalb möchte ich Dich unterstützen und wenn Du auf Deinem Wege meine Hilfe benötigst, so bitte ich Dich mich zu fragen. Ich bin für Dich da, wann immer Du mich brauchst!“ Er gibt folglich auch nicht ungefragt Ratschläge und wenn er danach gefragt wird, so wird er stets mehr als eine Möglichkeit aufzeigen, damit sein Gegenüber sich frei fühlt in seiner Entscheidung! Ein wahrer Förderer liefert einfach keine Patentrezepte, er liefert ausschließlich Wahlmöglichkeiten!

Soweit eine theoretische Betrachtung. Nun möchte ich jedoch einmal zur Praxis übergehen, es folgt also der Teil in dem es amüsant werden könnte, nein es wird definitiv amüsant.

Ich beginne also gleich mit dem offensichtlichen Förderer. Das ist dann quasi so ein Typ der schon mit der Geldbörse herumwedelt, bevor er in Erfahrung gebracht hat ob ein Wunsch nach Förderung überhaupt besteht. Sollte seine Förderung auf Zuspruch stoßen, so wird er alsbald beginnen Fragen zu stellen und Forderungen einzubringen, er ist also ein getarnter Forderer !!! Man nehme sich vor ihm in Acht, er glaubt nämlich eine Förderung bestehe im Grunde nur aus finanziellem Wohlwollen mit dem Anspruch auf eine angemessene Rückvergütung! Im Grunde geht es ihm in den meisten Fällen um Ruhm. Na da kann man doch nur gratulieren, so schafft er es gleich zu Beginn ein schlechtes Gefühl zu verbreiten und doch glaubt die halbe Welt, dass er ein Förderer sei. Es ist eben so, dass sich keiner daran stört, wenn jemand mit Geld um sich wirft solange es einem guten Zweck dient. Es erkennen die wenigsten, dass er in Wahrheit nicht fördert. Nun gut, hoffen wir das die Mehrheit eines Tages erhellt werden möge und er dann zur aussterbenden Art der vermeintlichen Förderer gehören möge.

Der zweiten Art Förderer, ist der Egoist in den Leib gefahren. Er kommt direkt als erstes mit seiner Forderung aus der Höhle, bevor er überhaupt erwähnt wie er fördern möchte. Er versteckt sich also gar nicht erst sondern lässt für das geübte Auge gleich erkennen, dass er ein Forderer ist. Das ungeübte Auge ist jedoch blind für diese Unterart des vermeintlichen Förderers, es sieht daher ganz klar und deutlich, dass es sich um jemanden handelt der bereit ist etwas zu geben, wenn er dafür etwas bekommt, denn er stellt seine Forderung so offensichtlich, das sich ganz eindeutig das allgemein anerkannte Geben-und-Nehmen-Prinzip widerspiegelt. Da er sich selbst aber als Förderer ausgibt, beinhaltet seine ach so milde Gabe gleich auch das Entstehen schlechter Gefühle, denn ein wahrer Förderer erwartet keine Gegenleistung.

Nun gibt es eine scheinbar vom Aussterben bedrohte Art, den wahren Förderer. Über selbigen habe ich eingangs schon ein paar Worte geschrieben. Nun wollen wir uns dieses Prachtexemplar menschlicher Existenz doch noch ein wenig genauer in seinem praktischen Dasein nähern. Eines sei gleich vorweg erwähnt. Es ist, im Gegensatz zu den vermeintlichen Förderern, bei ihm nicht möglich, dass er versehentlich oder vorsätzlich seine zwei Punkte über dem ö verliert, denn er ist von Natur aus ein Förderer. Das gemeinhin gültige Geben-und-Nehmen-Prinzip ist ihm völlig fremd, was eine wahre Förderung im übrigen erst ermöglicht. Aber dazu später mehr. Zuallererst ist dem wahren Förderer bewusst, dass eine Förderung in ihrem grundsätzlichen Wesen schon vor der Erfindung des Geldes existierte und somit nicht im geringsten auf die Existenz des Selbigen angewiesen ist. Er ist folglich losgelöst von dem Gedanken eine Förderung müsse in finanzieller Form geschehen, um eine Förderung sein zu können. Er ist sich dessen Gewiss, dass seine Förderung den richtigen Weg finden wird egal in welcher Form sie auch immer erfolgen möge. Für die phantasielosen Zeitgenossen füge ich hier einmal einige Beispiele an. Er kann durch sein Wissen, seine Erfahrung, seine Weisheit, seine Ruhe, seine Ausgeglichenheit usw. fördern. Wem jetzt hier schon die nötige Vorstellungskraft abhanden gekommen ist, der möge kurz inne halten und sich fragen, welcher Art von Förderer er derzeit gedanklich am nächsten ist und sich entscheiden auf welche Seite er sich zukünftig schlagen möchte.

Nun gut ich werde einmal fortfahren mit dem althergebrachten Geben-und-Nehmen-Prinzip. Es gibt eine dem Urvertrauen entspringende Sicherheit, die diesem Prinzip zum verwechseln ähnlich ist, jedoch bei genauerer Betrachtung grundverschieden ist. „Ich kann geben, weil ich weiß, dass auch mir gegeben wird. Wenn mir gegeben wird, nehme ich was ich brauche, alles andere gebe ich weiter. Es gibt von allem genug, für alle.“ Diesem Grundsatz, der in keinster Weise einem kommunistischen Gedanken entsprungen ist, hat sich wohl der wahre Förderer verschrieben. Er gibt ohne jede Frage nach der Verwendung, er hilft nur wenn er darum gebeten wird, er drängt sich nicht auf, er gibt Rat, wenn er auf Ratlosigkeit trifft und bei allem was er tut ist er ohne Erwartung. Es ist ihm demnach egal ob seine Ratschläge erhört werden, es genügt ihm völlig, dass er sie geben konnte. Und jetzt kommt das was ihn so besonders macht, er fragt hinterher nicht, warum hast Du meinen Rat nicht befolgt. Er weiß eben, dass eigene Wege jene sind, die uns am reichsten an Erfahrungen machen und betrachtet sich eben nur als einen Wegbereiter nicht mehr und nicht weniger!

Zum Abschluss möchte ich nun noch ein kleines alltägliches Beispiel anführen. Ein obdachloser Mann sitzt im Winter in der Fußgängerzone im Schneidersitz und hat vor sich einen Hut platziert. Ein Passant kommt vorbei und wirft eine Münze in den Hut, der Obdachlose bedankt sich freundlich. Die Theorie, der Obdachlose bittet mit seinem aufgestellten Hut um Hilfe, das ist in soweit eindeutig, als man davon ausgehen kann, dass er den Hut dort im Winter nicht platziert hat, weil ihm zu warm auf dem Kopf gewesen ist. Es handelt sich also im Grunde um eine Bitte nach einer wahren Förderung, denn was mit dem eingeworfenen Gelde geschieht, weiß ein jeder der etwas hineinwirft nicht. Manch ein Passant möge sich genötigt fühlen etwas hineinzuwerfen und den Hut als Forderung betrachten, diese Art von Passant klammern wir nun einfach mal aus. Nun gut es ist also ungewiss was mit dem Gelde geschehen wird, sobald es den Boden des Hutes in Richtung Hosentasche des Obdachlosen verlassen hat. Jetzt könnte nun ein Passant kommen den diese Ungewissheit stört und der im Glauben der Obdachlose werde es verspeisen, ein leckeres frisches belegtes Brötchen in den Hut legt. Nun dem wird wohl auch so sein, dass der Obdachlose das Brötchen vertilgt und er wird sicher auch dankbar dafür sein, jedoch hat der Passant seine eigene Erwartung mit in den Hut gelegt und sich damit vom wahren Förderer entfernt. Was übrigens der erste Passant auch getan hat, denn er nimmt auf Grund gesellschaftlicher Prägung an, dass der Obdachlose auf Geld aus ist.

Nun es mangelt an Passanten nicht und so kommt ein dritter des Weges, sieht den Obdachlosen mit seinem Hut, hält kurz inne und tut etwas ungewöhnliches. Er setzt sich schweigend im Schneidersitz neben den Obdachlosen und stellt seinen eigenen Hut vor sich selbst hin. Eine Weile herrscht Stille, dann schauen sich beide an und der Passant fragt den Obdachlosen ganz leise etwas. Der Obdachlose antwortet ihm, woraufhin beide ihre Hüte nehmen und gemeinsam fortgehen. Am nächsten Morgen sitzt der Obdachlose wider an gleicher Stelle, aber es hat sich etwas verändert, er trägt den Hut auf seinem Kopf anstatt ihn vor sich hinzustellen.

Was war geschehen. Der Obdachlose war an einen wahren Förderer geraten, denn er hat ihm nicht einfach Geld in den Hut geworfen, oder ihm ein leckeres Brötchen hineingelegt. Es geht eben nicht immer um Geld und wir wissen eben nur selten was andere wirklich brauchen. Der dritte Passant hatte sich sich zunächst einmal auf die Ebene des Obdachlosen begeben und ihn dann gefragt: „Guter Mann, was fehlt Dir am meisten“ und der Obdachlose hatte geantwortet: „Ich wäre gern an Weihnachten nicht allein“. Und so kam es, dass er am 25. Dezember wieder an gleicher Stelle saß, den Hut auf dem Kopf tragend sich in Zufriedenheit wiegend, wohl wissend, dass es jemanden gab der ihm ein Wunsch erfüllte, nur weil er unvoreingenommen und ohne eigene Erwartungen auf ihn zuging. Es will eben nicht jeder Obdachlose ein neues Leben anfangen …!

Raik im Dezember 2016

Weihnachtskolumne 2015 – Der Sinn am Unsinn … das sinnlos erscheinende macht erst am Ende einen Sinn.

Gleich zu Beginn dieser Kolumne stellt sich mir die Frage: „Macht es überhaupt einen Sinn über Sinn und Unsinn zu „kolumnieren“ oder ist das im Grunde völliger Unsinn. Nun hat sich mein Gehirn gerade einmal im Kreis gedreht und schon stehe ich wieder da, wo diese Kolumne begonnen hat.

Nun, ich habe trotzdem beschlossen mich auf dieses Thema einzulassen und einen genüsslichen Text daraus zu zaubern. Beginnen möchte nun mit einem Zitat, das jenen die meine Internetseite bis ins kleinste Eckchen durchforstet haben bekannt vorkommen dürfte. Hier ist es nun und bildet die Einleitung in dieses sinnreiche Thema:

Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt die Menschheit seit je her. Eine allgemeingültige Antwort hierzu gibt es nicht. Was ist der Sinn des Lebens? Es gibt Ihn wohl so generell gar nicht, vielmehr entsteht er durch unser Tun und unser Handeln, ja durch unser Sein an sich. Der Sinn ist somit nicht bereits vor uns da, er entsteht erst durch unser Sein. Und so sind wir schlussendlich der Sinn selbst, personifiziert, handelnd, denkend. Wir sind demnach auf dem Holzweg, wenn wir den Sinn des Lebens suchen, denn er selbst hat uns bereits gefunden und wohnt uns inne. Sind wir ja in jedem Augenblick gerade dabei ihn selbst zu erschaffen, quasi durch uns selbst. Wir sind der Sinn und der Sinn sind wir, alles ist der Sinn.“ Oder aber der Unsinn, das gilt es nun zu klären.

Im Zitat geht es im Grunde mehr um den Lebenssinn, als um den Sinn oder Unsinn einer Sache an sich. Trotzdem trägt es die scheinbar nicht sichtbare Antwort in sich. Der Sinn entsteht also durch mich selbst und dann bin ich demnach von seiner Existenz und von seiner inhaltlichen Qualität überzeugt, deshalb sage ich ja auch: „Das macht für mich Sinn!“

Wenn etwas nicht in mein persönliches Sinnbild (aha, mein Sinnbild ist also anders, als das anderer Menschen) passt dann sage ich eher: „Das macht für mich keinen Sinn!“ Da bin ich dann noch gut gelaunt und bringe zum Ausdruck, dass etwas für mich nicht mit meinem Sinnbild übereinstimmt, ich die Sache an sich aber tolerieren und akzeptieren kann.

Nun gehen wir mal einen Schritt weiter. Was passiert, wenn ich sage „Das ist für mich völliger Unsinn!“ Hier spreche ich der Sache an sich schon gleich mal die Möglichkeit ab, überhaupt einen Sinn zu haben. Sehr gewagt, denn woher will ich denn wissen ob es nicht irgendwo in der Welt jemanden gibt, der auch der letzten Schandtat noch einen Sinn beimessen kann. Besser wäre es natürlich nach dem Sinn zu fragen bevor ich ein Urteil fälle. Wie gesagt es entscheidet sich alles darin, dass jeder sein persönliches Sinnbild hat und somit könnte nun jedem Unsinn auch ein Sinn zugeordnet werden. Folglich könnte jeder Sinn ein Unsinn und jeder Unsinn ein Sinn sein, mmmhhh ich habe das Gefühl mein Gehirn hat sich schon wieder einmal im Kreis gedreht und ich befinde mich wieder auf Zeile 4 der Kolumne.

Nun Frage ich mich wie kann ich denn eine allgemeingültige Antwort darauf finden, ob etwas einen Sinn macht oder nicht. Meine Antwort lautet, das unmögliche möglich machen zu wollen macht keinen Sinn, es wäre aus meiner Sicht völliger Unsinn. Es gibt keine allgemeingültige Aussage bezüglich des Sinns oder Unsinns einer Sache, denn ich selbst entscheide ja nur was für mich einen Sinn macht und was nicht. Ich kann mich dabei auf niemanden anders verlassen oder berufen, denn nichts ist so individuell wie ich selbst und damit ist es auch mein Sinnverständnis. Die Beurteilung einer Sache hinsichtlich der Sinnhaftigkeit hängt also in hohem Maße von meiner Toleranz ab. Diese wiederum ist eng verwoben mit allem was mich umgibt und prägt, mit meinem Verständnis anderer Menschen, Meinungen und Ansichten. Wäre ich also unendlich tolerant, gäbe s für mich auch nur den Sinn und nicht den Unsinn.

Was wir nun daraus lernen ist einfach und doch schwierig. Es gibt den Unsinn nicht wirklich, es gibt nur den Menschen der ihn als selbigen betrachtet, er existiert quasi nur im menschlichen Denken. Er hat keine wirkliche Seinsebene, während der Sinn, mit maximaler Toleranz betrachtet, im Grunde genommen einem Naturgesetz gleicht. Je nach betrachtendem menschlichen Individuum kann allem ein Sinn beigemessen werden, aber es wird Dinge geben bei denen es unmöglich sein dürfte ihnen einen Unsinn beizumessen, daran rührt kein Zweifel.

Es ist unsere ganz persönliche Freiheit über den Sinn einer Sache zu entscheiden, diese Freiheit ist unantastbar, denn sie wohnt uns inne so wie der Sinn uns innewohnt. Sie wird ähnlich dem Sinn durch uns selbst erschaffen. Wir selbst sind der Sinn und die Freiheit, jeder für sich selbst. Das macht uns so einzigartig und verschieden und ich bin dankbar dafür, dass unsere Welt so bunt ist, wie wir sie heute erleben.

Diese innere uneingeschränkte Freiheit der Entscheidung hinsichtlich des Sinnes einer Sache, birgt auch immer eine Gefahr mit der wir zwangsläufig leben müssen. Es wird immer wieder Menschen geben, die dem durch sie herbeigeführten Elend anderer Menschen einen Sinn beimessen können. Das ist der Preis den diese Freiheit erhebt und trotzdem ist sie unser wertvollstes Gut. Was jeder einzelne tun kann, um sie zu bewahren ist sein Sinnbild in die Welt hinaustragen und mehr Gleichgesinnte zu finden als jene, deren Sinnbilder er selbst als Unsinnsbild bezeichnet. Am Ende erkennst Du den Sinn drin, dass das Gute am Sinn nicht selbstverständlich ist und es noch immer gilt dieses Gute zu wahren und zu schützen und dafür einzustehen.

Nun bleibt mir nur noch Euch allen eine beSINNliche Weihnacht und einen guten Start in ein SINNvoll erfülltes Jahr 2016 zu wünschen. Ich wünsche Euch ein Höchstmaß an persönlicher , innerer Freiheit und ein gutes Gespür, diese SINNvoll einzusetzen.

Schließen möchte ich in diesem Jahr mit den Worten von Václav Havel:

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Raik im Dezember 2015

Weihnachtskolumne 2013 – Erwartungen … warum ihnen die Enttäuschung inne wohnt und die Folgen.

Erwartungen haben wir alle. An uns selbst, an unser Leben, an andere und vielleicht sogar an die Welt insgesamt. Grundsätzlich sind Erwartungen sehr nützlich, denn sie helfen uns persönliche Ziele zu erreichen. Das ist gut, solange es tatsächlich der Erreichung unserer persönlichen Ziele dient. Nur all zu oft werden Erwartungen von außen an uns herangetragen und wir neigen nicht weniger oft dazu sie unbedingt erfüllen zu wollen. Hierbei passiert nun folgendes. Die Erwartungen von außen werden wie von selbst zu unseren eigenen Erwartungen an uns selbst und wir bemerken oft gar nicht was da eigentlich geschieht. So haben wir dann innerlich die Erwartung, die Erwartungen der anderen erfüllen zu müssen.

Tritt jemand mit einer Erwartung an uns heran könnten wir uns aber auch sagen: „Gut, das sind deine Erwartungen. Ich persönlich habe an mich selbst die Erwartung, alles in meiner Macht stehende zu tun, um deiner Erwartung möglichst nahe zu kommen.“ Wenn wir so reagieren, wird die Erwartung des anderen nicht automatisch zu unserer eigenen. Wir räumen uns in gewissem Maße einen mehr oder weniger großen Spielraum ein, indem wir uns bereiterklären unser möglichstes zu tun. Wir geben jedoch nicht unser Einverständnis eine hundertprozentige Erwartungserfüllung zu garantieren. Die Erwartung des anderen ist somit nicht zu unserer eigenen Erwartung geworden. Vielmehr haben wir uns im Geiste so eine Art Unter-Erwartung kreiert, welche dann unserer ganz persönlichen Erwartung gegenüber der Erwartung des anderen entspricht. Nun könnte der andere am Ende sagen: „Du hast meine Erwartungen nicht erfüllt“. Eine mögliche Antwort wäre: „Ja richtig, dass war auch nicht meine Aufgabe, denn es waren deine Erwartungen. Meine Erwartung war mein bestes zu geben und das habe ich getan. Wenn mein bestes nicht ausreichend war, könnte an deiner Erwartung etwas nicht korrekt gewesen sein.“ Werden die Erwartungen der anderen jedoch zu unseren eigenen Erwartungen an uns selbst und werden diese schlussendlich nicht erfüllt, erleben wir selbst und die anderen eine Enttäuschung. Wandeln wir die Erwartungen anderer um, bevor wir sie uns zu eigen machen , schafft uns dies ein wenig Freiheit und wir sind am Ende vielleicht selbst gar nicht enttäuscht, sondern nur die anderen.

Haben wir selbst Erwartungen an andere, wohnt jenen Erwartungen bereits die Enttäuschung inne, denn unsere eigenen Erwartungen werden nie gleich den Erwartungen der anderen sein. So planen wir also mittels unserer Erwartungen an andere unsere eigenen Enttäuschungen. Je genauer wir unsere Erwartungen mit denen der anderen abgleichen, desto weniger werden wir am Ende enttäuscht sein. Also sollten wir mutig sein und unsere Erwartungen mit anderen besprechen und abgleichen.

Was die Erwartungen an uns selbst betrifft, sollten wir realistisch sein und nicht zu viel von uns erwarten. So können wir Enttäuschungen vermeiden, denn pro erfahrener Enttäuschung, unabhängig von deren Größe, brauchen wir acht positive Erfahrungen, um die Enttäuschung wieder auszugleichen und das Gleichgewicht herzustellen. Wir sollten demnach lieber kleinere Erwartungen haben, die auch erfüllbar sind. So vermeiden wir von vornherein enttäuscht zu werden.

Nun könnte sich so ein ganz schlauer denken, dann erwarte ich eben nichts mehr. Nun so einfach ist das nun auch wieder nicht. Indem er nichts erwartet, erwartet er ja von sich das ihm dieses Experiment gelingt. Und so liegt selbst im nichts erwarten eine Erwartung.

Hin wie her, ohne Erwartungen kommen wir wohl im Leben nicht aus. Es ist also gut sich mit den Erwartungen anzufreunden, sie liebevoll zu gestalten und nicht zu groß werden zu lassen. Je achtsamer wir mit den eigenen und den Erwartungen der anderen umgehen, desto weniger Enttäuschungen durch unerfüllte Erwartungen werden wir erfahren.

Immer wieder erfahren wir in Gesprächen über den Alltag, dass die Erwartungen auch im Arbeitsleben immer größer werden und der persönliche Druck zunimmt. Dieser Druck entsteht jedoch nur, wenn wir uns äußere Erwartungen zu eigen machen, sie folglich für unsere eigenen Erwartungen halten und zu erfüllen versuchen. Hier hilft es auch mal zu prüfen, ob eine von außen kommende Erwartung unter realistischen Gesichtspunkten realisierbar ist. Wenn nicht, dann können wir eine Erwartung auch einmal besprechen und korrigieren. Ist dies nicht möglich kann eine Erwartung auch einmal nicht erfüllt werden, wenn diese nicht den eigenen Wertmaßstäben für Erwartungen entspricht.

Nur Mut auch einmal „NEIN“ zu sagen braucht man dafür. Dieser Mut wird belohnt, denn er schafft uns die Freiheit auch einmal Luft zu holen, Ruhe für Entspannung zu finden und Erfolge durch erfüllte Erwartungen zu erleben. Erwarten wir doch auch einmal von uns selbst, etwas für unsere Seele zu tun, einfach mal abzuschalten und unsere Sinne zu schärfen und ganz bei uns zu sein.

Gerade in der Weihnachtszeit sollten wir achtsam mit unseren Sinnen umgehen. Es ist die Zeit der Düfte, Leckereien, Klänge, Lichter und Wärme. Für jeden Sinn ist etwas dabei. Jagen wir doch einmal nicht irgendwelchen Erwartungen hinterher, die mal eben noch schnell erfüllt werden müssen. Lassen wir diese sinnliche Zeit nicht an uns vorbeirauschen, genießen wir wieder etwas Ruhe.

Nun bleibt mir noch allen ein besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen, ein Fest ohne große Erwartungen an dem wir dankbar sind für das was uns gegeben ist. Üben wir uns doch einmal darin nichts zu erwarten, einfach einmal in Dankbarkeit alles anzunehmen was uns umgibt. Bewahren wir uns in 2014 unsere persönliche Freiheit. Ich wünsche uns allen einen guten Start.

Die letzten Worte spricht in diesem Jahr Benjamin Franklin:

Nichts schmerzt so sehr wie fehlgeschlagene Erwartungen, aber gewiß wird auch durch nichts ein zum Nachdenken fähiger Geist so lebhaft wie durch sie erweckt, die Natur der Dinge und seine eigene Handlungsweise zu erforschen, um die Quelle seiner irrigen Voraussetzungen zu entdecken und womöglich künftig richtiger zu ahnen.“

Raik im Dezember 2013

 

Weihnachtskolumne 2012 – Vielfalt … was Tomaten mit der Energiewende gemeinsam haben

Wir leben in einer Welt, zu einer Zeit in der wir von einer Vielfalt umgeben sind, die uns teilweise entmachtend gegenübertritt. Die Menschheit hat derart viel Wissen erlangt, dass sich dieses nicht selten als hinderlich erweist. Aufgrund unseres umfangreichen Wissens sind wir ständig am abwägen: Was wäre besser, einfacher oder genialer? Manchmal vergessen oder versäumen wir darüber auch einmal eine Entscheidung zu fällen. Es fällt uns gar schwer uns überhaupt zu entscheiden, denn was wäre wenn …? Unsere Wahlmöglichkeiten sind so vielfältig und komplex, dass es uns nicht selten misslingt in dieser Vielfalt die Orientierung zu behalten. Nehmen wir einmal das Beispiel der Entscheidungsfindung beim Tomatenkauf.

Da gibt es den „Armen“. Er hat es hierbei am einfachsten, er kauft einfach die günstigste Sorte, weil er sich nur diese leisten kann. Der „Durchschnittliche“ hat es am schwersten, denn er hat die Qual der Wahl. Er kann abwägen ob er die rote, die gelbe, die runde, die ovale, die fleischige, die fruchtige, die Rispe, die Roma oder die Party-Tomate nimmt. Der „Reiche“ hat es nicht ganz so schwer. Er kauft einfach die teuerste. Oder er ärgert sich über die Abwesenheit der völlig überteuerten „Super-Duper ökologischen, fair gehandelten, um die halbe Welt gereisten, Nachhaltigkeits-Bio-Tomate“ aus dem Genlabor und rennt in den nächsten Laden um selbige dort zu finden. Allen dreien ist eines gemeinsam, jeder muss am Ende eine Entscheidung treffen. Tut er dies nicht, ist er der Vielfalt erlegen und geht ohne Tomate nach Hause, was ja irgendwie auch eine Entscheidung wäre.

Nun einmal zu einem etwas komplexeren Thema, der Energiewende. Von den preiswertesten und am einfachsten zu regelnden Formen der Energiegewinnung verabschieden wir uns so langsam. Ein guter Schritt in die richtige Richtung hört man von überall her. Nun wird der Strom aber teurer, das ist aber blöd, hört man von überall her. Wir wollen am liebsten zum Preis des Kohle-Kernenergie-Mixes den „Super-Duper. ökologischen, fair gehandelten, ungefährlichen Nachhaltigkeits-Bio-Strom“ aus der Steckdose. Wie aufwendig es in Zukunft sein wird, ihn dort hin zu bekommen, darüber machen wir uns keine Gedanken. Auch hier sind die Möglichkeiten sehr vielfältig. Wir können Solarkraftwerke, Blockheizkraftwerke, Windkraftanlagen, Biomassekraftwerke, Wasserkraftwerke und noch einige andere nutzen, um die dort gewonnene Energie dann mittels noch nicht vorhandener Infrastruktur in Form von Hochspannungstrassen über das gesamte Land zu verteilen. Das wird uns noch lange viel Geld und Mühe kosten, aber am Ende wird es unsere Welt ein wenig sauberer und sicherer machen, und das wiederum wollen wir im Grunde doch alle, nicht wahr? Die Entscheidung darüber, wie wir uns in Zukunft mit Strom versorgen, fällt nun aber nicht wie beim Tomatenkauf jeder einzelne von uns. Vielmehr ist es eine Entscheidung unserer Regierung. Möglicherweise hat diese etwas zu schnell entschieden, aber vielleicht wäre es übler gewesen ohne Tomate nach Hause zu gehen und alles so zu lassen wie es war. Wir werden es nie erfahren, denn entschieden ist entschieden. So ist es oft im Leben, wer keine Entscheidung trifft erliegt der Vielfalt der Wahlmöglichkeiten. Wer sich entscheidet, entscheidet sich auch für die Konsequenzen.

Wir könnten ja vielleicht in Zukunft nur noch die billigste Tomate kaufen, um mit dem dort eingesparten Geld die Energiewende zu bezahlen? Viel öfter sollten wir uns fragen, was gibt es wesentliches im Leben, was ist existenziell wichtig, was ist die Essenz unseres Lebens und wie wollen wir diese bewahren? Verzicht auf der einen Seite kann Gewinn auf der anderen bedeuten? Hier entscheidet nun wieder jeder für sich, wie demütig er dem Leben gegenübertritt, gleich ob beim Tomatenkauf oder bei der Energiewende.

Wann immer wir also mal wieder Tomaten auf den Augen haben und der Durchblick ein unbekannter Fremder geworden ist, wird es Zeit die Tomaten (ganz gleich ob es gelbe, rote, runde, ovale, fleischige, fruchtige, Rispe oder Roma sind) abzunehmen und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Was an Konstanz nie verlieren wird, sind unsere Werte. Sie sind fest in uns verankert, seit Generationen. Das Menschsein wohnt uns inne und wenn wir uns darauf besinnen, spüren wir wie nahe und vertraut uns die Einfachheit ist und uns gut tut. Es lohnt sich ab und an der Vielfalt den Rücken zu kehren und ohne Tomaten nach Hause zu gehen. Wiederum gibt es Situationen in denen Entscheidungen von größter Bedeutung für das fortbestehen unserer Welt sind.

Noch vor rund 70 Jahren ging es hierzulande eher darum zu überleben. Diese Sorge haben wir heute nicht mehr, vielmehr sind wir damit beschäftigt unser Leben frei zu gestalten. Die existenzielle Frage stellt sich uns heute gar nicht mehr und dadurch vergessen wir oft was das Essentielle in unserem Leben ist. Wir leben in einem Land, in dem jeder versorgt ist, es niemandem an existenziellen Dingen fehlt. Wenn wir das Gefühl haben es fehle uns etwas, befinden wir uns bereits im gestalterischen und nicht im existenziellen Bereich. Lehnen wir uns also zurück, besinnen uns auf das Wesentliche so werden wir zufriedener, glücklicher und demütiger in die Welt blicken. Alles was es dazu braucht ist die Bereitschaft einige von unseren gestalterischen Wünschen aufzugeben. Das wäre ein guter Vorsatz für 2013!

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine zauberhafte Weihnachtszeit mit von Ökostrom erleuchtetem Baum und einfachen Tomaten, aber vor allem ein von Liebe, Wärme und Zufriedenheit erfülltes Fest. Genießt die schmackhaften Speisen, weihnachtlichen Düfte, harmonischen Klänge, glänzenden Lichter und die warme Geborgenheit. Genießt mit allen Sinnen.

Die letzten Worte spricht in diesem Jahr Friedrich von Bodenstedt:

Wer nicht den tiefen Sinn des Lebens im Herzen sucht, der sucht vergebens. Kein Geist, und sei er noch so reich, kommt einem edlen Herzen gleich.“

Raik im Dezember 2012

Weihnachtskolumne 2011 Mutter Erde und Wir Verbundenheit oder Abhängigkeit… Sein oder Nicht-Sein …

Alles was Mutter Erde uns gibt ist ein Geschenk ihrerseits. Doch wie gehen wir mit diesen Geschenken um? Nehmen wir Sie ehrfürchtig an, und wissen wir sie wirklich zu schätzen? Nehmen wir zu viel, sind wir eher Segen oder Fluch für Mutter Erde? Nutzen wir viele Dinge nicht mehr in ihrer reinen natürlichen Form, sondern erst nach einer Weiterverarbeitung und welchen Schaden fügen wir uns selbst damit zu? Müssen wir uns wirklich Sorgen darum machen wie es mit der Menschheit und Mutter Erde weitergehen wird, ja haben wir überhaupt einen Einfluss darauf.

Wenn wir etwas von Mutter Erde bekommen, sind wir mittels unserer menschlichen Intelligenz in der Lage es in etwas anderes zu verwandeln, sei es mechanisch, chemisch, energetisch. Es wird daraus etwas nicht natürlich Gegebenes, damit ändert sich meist auch das Gefahrenpotenzial einer Sache und wenn wir diese Sache dann zu Mutter Erde zurückführen wollen, zu Neudeutsch „Recycling“, dann stehen wir vor dem Problem und wissen nicht weiter! Vielleicht wissen wir ja doch weiter, haben aber nur ein mangelndes Interesse daran den Zustand vor unserer Inanspruchnahme der Ressourcen von Mutter Erde wieder herzustellen, oder der Aufwand ist uns zu hoch, schließlich geht es ja hier nur um unseren Lebensraum. Gewinn machen können wir in jedem Fall nicht, es wäre jedoch eine Investition in die Zukunft, in unsere Zukunft. Zweifelsohne wollen wir nicht auf die modernen Dinge verzichten, jedoch müssen wir zwingend mehr in die erfolgreiche Rückführung unserer Eingriffe in die Natur zum Ursprungszustand tun. Wir verlieren durch Kriege, Unglücke und Katastrophen zunehmend an, durch uns nutzbarer Erdoberfläche. Gleichzeitig nimmt die Weltbevölkerung zu, geht uns vielleicht irgendwann der noch nutzbare Platz zur Neige. Werden wir Mutter Erde vielleicht zu viel, reguliert sie das von selbst indem sie uns Raum nimmt? Hat Mutter Erde einen Plan von dem wir nichts ahnen, den wir nicht kennen und auf den wir nicht den geringsten Einfluss haben? Da setzen sich die Großen dieser Welt auf einer Weltklimakonferenz hin, um mal zu gucken wie sie Mutter Erde am besten austricksen könnten und geprägt von allseitiger Uneinigkeit rennen dieser Herren dann ohne Ergebnis auseinander und dabei bleibt’s. Für mich nicht weiter tragisch, hätten sie gemeinsam etwas beschlossen, hätte es womöglich für Mutter Erde eine so geringfügige Bedeutung, dass es auch egal ist ob die Herren sich einigen oder nicht. Mutter Erde mit ihrem System „Natur“ hat ihre eigenen Regeln und wenn ihr etwas zu viel wird, findet sie eine Lösung. Vielleicht, wenn wir nicht lernen rücksichtsvoll mit Mutter Erde umzugehen, könnte dass eines Tages das Ende der Ära Mensch sein. Mutter Erde wir auch ohne uns auskommen, sie braucht uns nicht. Wir befinden uns also in einer Abhängigkeit, aber wir gedenken nicht uns damit zu arrangieren, nein wir forschen lieber ob wir nicht vielleicht im Fall des Falles noch schnell auf einen anderen Planeten flüchten könnten, um dort weiter unseren rücksichtslosen Umgang mit unserem Lebensraum praktizieren zu können. Würden wir alle Mittel die wir für diese Forschung aufwenden in den Erhalt von Mutter Erde und die Rückführung unserer Eingriffe in die Natur zum Ursprungszustand verwenden, wäre es gut möglich, dass wir gar nicht auf einen anderen Planeten angewiesen wären, aber mit so einer Denkweise lässt sich wohl kaum Geld verdienen. Womit wir nun bei einer der ausgeprägtesten unnatürlichen Erfindungen der Menschheit wären, das liebe Geld. Es bringt alle natürlichen Prozesse völlig aus dem Gleichgewicht, denn es setzt den natürlichen Fluss in mannigfaltiger Art und Weise außer Kraft. Dank des Geldes entscheiden wir nicht mehr natürlich,sondern ausschließlich gewinnorientiert, und wie zum Teufel lässt sich durch den Erhalt von Mutter Erde Geld verdienen…….

Dabei stecken wir Menschen so voller Energie, nur verwenden wir sie meist für die unwichtigen Dinge. Wir durchforsten Doktorarbeiten, versuchen Bundespräsidenten abzusägen, Verschleiern dies und jenes, schlachten uns gegenseitig in sogenannten kriegsähnlichen Zuständen ab und scheuen uns nicht davor uns überall so ein klein wenig reinzuhängen, liefern Waffen in Gebiete, in denen später unsere eigenen Soldaten für Frieden sorgen sollen. Wenn wir nur in der Lage wären diese Energien auf den Erhalt von Mutter Erde zu verwenden, könnten wir dazu übergehen, eine Art Verbundenheit mit Mutter Erde aufzubauen in der wir ebensoviel geben, wie wir nehmen. Dies würde der Menschheit vielleicht den Hals retten, uns sozusagen vor dem Aussterben bewahren. Voraussetzung wäre natürlich ein weltweit gemeinsames erhaltorientiertes Handeln, naja ganz ehrlich, die Chancen für uns stehen eher schlecht. Aber Angst brauchen wir vor dem Aussterben der Spezies Mensch nicht zu haben, das ist ein natürlicher Prozess und Mutter Erde kommt sicher nicht mit dem Faustkeil um die Ecke, um uns kalt zu machen. Nein wir werden eher ganz langsam, wie schon andere Arten vor uns, von der Bildfläche verschwinden oder zumindest auf ein ertragbares Maß reduziert werden.

Nun denn können wir uns auch dieses Jahr zu Weihnachten entspannt zurücklehnen, es dauert ja noch bis zum humanoiden Exitus. Jeder von uns kann seinen Beitrag leisten, doch wie Mutter Erde das verbucht ist eine ganz andere Sache, davon verstehen wir einfach viel zu wenig, dafür sind wir zu klein.

Vielleicht sollten wir dieses Jahr zu Weihnachten einfach mal daran denken, wie wir uns wünschen, dass sich unsere Gäste verhalten sollen. Und nun stellen wir uns vor wir wären bei Mutter Erde zu Gast, und auch sie hätte die Gelegenheit, wenn wir uns nicht anständig benehmen, uns darauf hinzuweisen, dass sich die Haustür grundsätzlich auch von außen zumachen lässt…..

In diesem Sinn wünsche ich Euch eine ehrfürchtige Weihnacht und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Nehmt nicht zu viel, aber gebt umso mehr.

Das abschließende Wort über ein Geschenk von Mutter Erde hat in diesem Jahr J.Donald Walters: „Setz dich an einen Bach und sei einfach da. Das Lied des Wassers wird deine Sorgen aufnehmen und sie hinab zum Meer tragen.“

Raik im Dezember 2011

Weihnachtskolumne 2010 – Fortschritt – einmal anders betrachtet! Welcher Werte wir uns entledigen, indem wir fortschreiten und was wir davon zu spüren bekommen…

Oft hört man die Leute sagen: “Schön, dass wir in einer so fortschrittlichen
Gesellschaft leben.” Teilweise liegt in dieser Aussage etwas Paradoxes, zumindest
wenn ich eine Zeit lang darüber nachsinne. Leidet die Gesellschaft im Wortsinne
doch an der einen oder anderen Stelle gewissermaßen unter dem Fortschritt im
technischen Sinne. So werden wir häufig ins Raster sogenannter fortschrittlicher
Systeme gepresst, und sollten wir in irgendeiner Weise speziell sein, was wir
zweifelsohne alle sind, denn jeden von uns gibt es so einmalig nur ein mal, dann
passen wir eben nicht ins System und was uns so einmalig macht wird kurzer Hand
vernachlässigt. Das kann mich von Zeit zu Zeit sehr erzürnen. Da kommt dieser
Fortschritt einfach daher, stülpt uns seine Form über und wenn sie nicht passt,
schlägt er einfach so lang obendrauf, bis das Ding sitzt. Wir werden also mittels des
Fortschritts unserer Individualität beraubt!
Der Fortschritt im medizinischen Sinne, kann uns gar, wenn wir schwerkrank und
alt sind, des Rechtes zu sterben entledigen. Wenn wir also nicht schriftlich
vorgesorgt haben, teilweise auch trotzdem, kann uns der Fortschritt hier im Leben
behalten, obwohl wir selbst unser Leben gelebt haben und in gewisser Weise des
Lebens müde sind, weil wir es vielleicht nicht mehr so leben können wie wir gern
würden. Manch ein alter Mensch plant gar seinen Tod voraus und möchte wohl
kaum von einer fortschrittlichen Maschine daran gehindert werden. Erst kürzlich
bin ich persönlich Reinhard Tausch, einem bekannten deutschen Psychologen
begegnet. Er stellte sich mir mit den Worten “Ich bin 89 Jahre alt und mit 99 werde
ich sterben” vor. In Anbetracht seiner körperlichen Verfassung und seiner bis heute
aktiven Tätigkeit in Forschung und Bildung wäre mir nicht im geringsten der
Gedanke gekommen, dieser Mensch könne seinen Tod planen. Aber er war eben
immer aktiv und hat seine Zeit genutzt, er hat sein Leben nie verschwendet und ist
sich heute noch immer treu. Sein Leben ist quasi erfüllt und somit hat er keine
Furcht vor dem endgültigen Fortschritt.
Die meisten Kinobesucher schreiten bereits aus dem Kino fort, bevor der Abspann
mit den Machern des Filmes überhaupt begonnen hat. Das ist doch ehrlich gesagt
arg traurig, dass jenen die einem den schönen Abend überhaupt erst ermöglicht
haben, nicht die geringste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Man hat ja dafür
bezahlt, oder? Und während alle schon vor dem Abspann fortschreiten, geben sie so
mir nichts dir nichts den Wert des Schätzens der Schaffung durch andere auf. Ohne
ein schlechtes Gewissen, man hat ja dafür bezahlt? Geld jedoch ist ein
Zahlungsmittel und kein Ersatz für Wertschätzung. Man kann einem Menschen so
viel Geld wie möglich zahlen, es wird nie dazu führen, dass dieser dies als echte, ehrliche Wertschätzung seiner Leistung empfindet. Nimmt man sich Zeit, hat ein
offenes Ohr, zeigt Verständnis kommt es zu echter Wertschätzung einer Person und
ihrer Leistung. Merke also Wertschätzung kann man nicht überweisen, aber sehr
wohl erweisen.
Andere wiederum erfahren den Fortschritt im Sinne von Abtritt. Sie werden quasi
fortgeschritten. Ich erinnere mich hier speziell an die Herren Horst Köhler, Thilo
Sarrazin und Ole von Beust. Da hat man mal keine so geliebten dressierten Affen
ohne eigene Meinung und schon macht sich Empörung breit. Was denken sich diese
Herren so offenkundig eine eigene Meinung zu manifestieren. Doch statt sich zum
Affen machen zu lassen und sich zu entschuldigen, stehen diese Männer zu ihrer
Meinung, ja geben dafür begehrte Posten auf, aber gewonnen haben letztlich nur sie
selbst und nicht die anderen. Gewonnen haben sie an Freiheit und Bewahrung ihrer
Werte, ja schlussendlich haben sie sich selbst bewahrt. Frei nach dem Motto: „Hier
steh ich wie ich bin, nehmt mich so sonst zieh ich hin“
Da gibt es ganz andere Zeitgenossen unter uns, welche, so scheint mir, entweder
keine Spiegel besitzen oder diese zugehangen haben müssen. Ich persönlich würde
mich in jedem Falle allmorgendlich beim Blick in den Spiegel erschrecken, wenn mir
eine Affe ohne eigene Werte, ja eine Person die sich selbst verraten hat,
entgegenblicken würde. Manch ein Zeitgenosse scheint mir eher wenig schreckhaft
zu sein!
Bei all dem Fortschritt der uns heute so umgibt, holt uns die Realität
glücklicherweise in Form von unbeherrschbarem Schneechaos, schrecklichen
Erdbeben und unerwartet versterbenden Berühmtheiten immer mal wieder ein, um
uns mitzuteilen: “Hallo kleines Menschenwesen, lebe ehrlich und ehrfürchtig, du
kannst in den Weltraum fliegen, was aber nicht gleichermaßen bedeutet, dass Du
aller irdischen Gegebenheiten mächtig bist. Schätze das Leben und überschätze dich
nicht.”
Nun möchte ich hier nicht vermitteln, dass Fortschritt ausschließlich negativ sei.
Man solle nur bedenken, bevor man fortschreitet, was man da gerade tut oder
welche Folgen sich daraus ergeben könnten. Nicht zögern mit dem Fortschritt,
nicht zweifeln, nur einen kurzen Augenblick dazu verwenden positive und
negative Endsituationen zu skizzieren. Fortschritt bedeutete zu allen Zeiten auch
immer die Gefahr eines negativen Endergebnisses. Man sei sich dieses Risikos
einfach nur allgegenwärtig bewusst. Vor allem Fortschritt muss immer der Erhalt
unserer eigenen Werte als bleibender Bestand stehen, denn sie sind naturgegeben.
Ohne sie ist aller Fortschritt im Wortsinne wertlos. Ernst Probst schreibt dazu: “Wo
ständig reformiert wird, drängt sich der Verdacht auf, dass dort nie etwas
Bleibendes geschaffen wurde.”
Nutzen wir die Zeit der Ruhe am Jahresende wieder einmal, um uns unserer Werte
Gewahr zu werden, sie uns wieder bewusst zu machen. Vielleicht finden sich gar
Wege für Synergien aus Werten und Fortschritt. Wer weiß, gehen wir doch einfach
wieder einmal auf eine gedankliche Entdeckungsreise. Mögen viele Entdeckungen auf Euch warten, nehmt sie als Geschenk. Sie sind kostenlos und gleichwohl, gepaart
mit unser Werten das kostbarste menschliche Gut. Dazu verwendet, wieder mehr
zu den Menschen zu kommen statt zu den Dingen sind sie unersetzlicher
Bestandteil des Menschseins und werden es für alle Zeiten bleiben.
Ich wünsche uns allen ein besinnliches Weihnachtsfest mit unseren Familien, einen
guten Rutsch ins neue Jahr und ein werteorientiertes, bewusst fortschrittliches 2011.

Raik im Dezember 2010