Auftaktkolumne 2020 – Der Poet über die Liebe und die Stille – das geschwiegene Wort

Der Titel verrät schon, dass diese Kolumne sich von allen bisherigen in ihrer Art unterscheiden wird. Ich erlebte ein lebendiges, umwälzendes und ereignisreiches Jahr. Es war geprägt von Veränderung aber vor allem von Vertrauen, Intuition, Gefühlen und bedingungsloser Liebe. Was ich also mit Euch teilen werde sind diesmal nicht meine Gedanken, es sind meine Gefühle. Nie zuvor habe ich mich so tief zu mir selbst und zu meinen Gefühlen begeben, nie zuvor habe ich so viel Gefühl zugelassen, nie zuvor waren meine Seele und mein Herz für einen Menschen derart offen. Und niemals zuvor habe ich das alles so sehr durch mein Schweigen beschützt. Damit es beschützt bleibt, soll nun der Poet zu Wort kommen und über all das berichten, was geschieht, wenn man sich ganz den Gefühlen hingibt. Er wird hinabsteigen in die Tiefen der Seele und davon erzählen was wahre Liebe bedeuten kann. Was er verschweigt, tut er weil ich ihn darum gebeten habe, jedoch nicht um mich selbst zu beschützen. Wohl an, möge er nun zu Wort kommen.

Ich bin es der Poet, ich will Euch von einer Liebe berichten! Ich bin ein Romantiker durch und durch, Rationalität liegt mir ferner als alles andere. Ich kann draußen in der Kälte stehen, in den eiskalten Mond schauen und darin dennoch die glühende Hitze der Sonne spüren und mich daran verbrennen ohne Schmerz zu empfinden. Die rationale Liebe kenne ich nicht, weil sie meinem Herzen und meiner Seele nichts gibt. Sie ist gefühllos, ohne Feuer – erloschen – und sie dient einem Zweck. Sie existiert nicht um ihrer selbst Willen. Das tut nur die bedingungslose Herzensliebe. Jene die dem Verstand weit voraus ist, die sich hineinstürzen kann in den kochenden Sud aus Gefühlen, ohne Angst sich zu verbrennen, ohne einen Gedanken an ein Netz das sie auffängt. Sich fallen zu lassen in der Gewissheit der Aufprall wird ausbleiben, das bedeutet es sich vollkommen zu offenbaren, sich den Gefühlen ganz hinzugeben und nur dann bist Du selbst ohne jeden Zweifel, bist Du eins mit der Liebe – bist Du die Liebe selbst. Was es braucht um soweit gehen zu können ist grenzenloses Vertrauen, vollkommene Offenheit und Ehrlichkeit vom ersten Moment an. Dann bist Du bereit alle Konsequenzen zu bewältigen und nicht eine von ihnen als ein Hindernis zu betrachten. Dann bist Du bereit der wahren Liebe zu folgen. Es gibt unzählige emotionale Herausforderungen und dennoch weicht diese Liebe nicht im geringsten. Da zeigt sich die wahre Liebe von ihrer besten Seite, sie ist bedingungslos, sie liebt einfach, erhält sich das Feuer, erhält sich die Schmetterlinge, erhält sich selbst. Sie lässt niemals nach! Nicht Entfernung, nicht Stille, nicht Unmöglichkeit lässt sie schwinden – nichts! Sie steht über allem, sie ist kein Konstrukt Deines Verstandes, denn sie kommt tief aus Deinem Herzen. Wenn Deine Seele bereit ist dem Herzen zu folgen, dann bist Du machtlos gegen diesen Pakt. Ich durfte einst jenem Dialog beiwohnen in dem beide diesen Pakt schlossen. Das Herz sprach zur Seele: „Bist Du bereit dieser einen Liebe trotz allem zu folgen, mit mir gemeinsam, für immer?“ Und die Seele antwortete: „Bist Du bereit sie für immer zu lieben?“ „Ja, das bin ich“ sprach das Herz „wenn Du mir schwörst, dass der Schmerz Dich nicht umbringt“ Und die Seele erwiderte „Es wird keinen Schmerz geben, wenn Du für immer liebst. Dann ist alles was ich zu ertragen habe die Liebe, was könnte wohl erträglicher sein?“ Dieser Pakt ist das wahrhaftigste was Dir in Deinem Leben widerfahren kann und selbst wenn es Dich anfangs verwirren wird oder Dir Angst macht, wirst Du eines Tages in tiefer Dankbarkeit dieser Liebe Dein Leben schenken, weil Du nicht anders kannst. Du schenkst, weil Du in der Seele des anderen ein Zuhause gefunden hast, weil er Dich liebt wie Du bist. Es bedarf einer winzig kleinen Sache und dennoch ist sie ebenso schwer wie essentiell. Es bedarf der beiderseitigen Bedingungslosigkeit und zwar der natürlichen und ehrlichen, nicht der erzwungenen, gespielten, durch Verbiegen erreichten oder gar durch Angst oder eine äußere Bedrohung entstandenen. Gepaart mit tief empfundener Dankbarkeit für alles, wirklich alles und fernab jeder Selbstverständlichkeit ist jene Bedingungslosigkeit die Nahrung der wahren Liebe. Wenn Du sie einmal gespürt hast, lässt sie Dich nie wieder los. Du kannst diesen intensiven Gefühlen nicht entkommen, sie fesseln Dich tief in Deiner Seele, für Dein Leben und Du bist bereit alles dafür zu geben. Wenn Du wahrhaft liebst wird die sehnsüchtigste Sehnsucht für Dich keinen Schmerz bedeuten, sie wird Dir immer nur zeigen wie sehr Du imstande bist Liebe zu geben.

Warte auf jemanden, der Dich sieht. Der mit einem Blick in die Tiefen Deiner Seele schaut, so dass Du Dich nicht mehr verstecken kannst. Es wird Dir höllisch Angst machen, aber am Ende wirst Du zu Hause sein.“ C.Louise

Und der Poet kam zu der Erkenntnis: „Es kommt nicht im geringsten darauf an was Du denkst. Denken besteht aus Worten. Worte sind nur Verstandesgeröll, das Deine Gefühle verschüttet. Es zählt allein, dass Du Bedingungslosigkeit fühlst, im Geben wie im Nehmen. Dann ist es eine Liebe die frei ist, bereit in den Himmel aufzusteigen und ihr Licht von den Sternen zur Erde zu senden. Und wann immer Du Deinen Blick in den Himmel richtest, wirst Du unweigerlich spüren wie sehr Du geliebt wirst!“ Von nun an schwieg der Poet einmal öfter als früher. Er war nicht ohne Gedanken, nicht ohne Worte, nicht ohne Gefühle, nicht ohne Liebe. Er hatte jedoch erkannt, dass das geschwiegene Wort weitaus mehr sagte als jedes gesprochene, gerade dann wenn die Worte keinen Raum finden können. Er ist der bedingungslosen Liebe begegnet, das hat ihn für immer verändert.

Mich übrigens auch!

Für alle die noch ein wenig weiterlesen wollen gibt es in diesem Jahr ausnahmsweise einen Link:

https://www.beziehungsweise-magazin.de/ratgeber/liebe-emotion/denkst-du-noch-oder-liebst-du-schon/

Raik im Januar 2020

Auftaktkolumne 2019 – Veränderung: „Hurra!“ oder doch lieber „Nein Danke!“

Heute, in der zweiten Auftaktkolumne, möchte ich einmal mit etwas sprachlicher Theorie starten. Folgende Synonyme gelten für das Wort Veränderung: Abart, Abwandlung, Anpassung, Ausführung, Derivat, Modifikation, Mutation, Wandlung, Variante, Version, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. An der Zahl der hier aufgezählten Synonyme ist nun bereits leicht erkennbar, das es offensichtlich verschiedenste Sichtweisen auf eine Veränderung geben kann, denn jedes der Worte birgt seine ganz eigenen Deutungsmöglichkeiten. Jeder darf sich hier nun sein persönliches Lieblingssynonym auswählen, gerne auch eines das hier nicht aufgeführt ist. Ich möchte nicht jedes einzelne besprechen, so viel sei jedoch gesagt, allen gemein ist der Ausschluss dessen, das etwas so bleibt wie bisher. Und so wird es auch nach dem Lesen dieser Kolumne sein, der Blick auf die Welt wird sich verändern, für den Einen nur für einen kurzen Moment, für den anderen vielleicht für sein ganzes Leben. Diese Entscheidung trifft jeder für sich selbst.

Ein einleitendes Zitat von Jack Welch: „Die Veränderung hat keine Anhänger. Die Menschen hängen am Status quo. Man muss auf massiven Widerstand vorbereitet sein.“

Ich persönlich mag Veränderungen, sie fördern die geistige Flexibilität des Gehirns. Das hier wird also keine Klageschrift werden. Es gibt ganz grob genommen zwei Arten von Veränderungen. Die meisten Individuen der menschlichen Spezies würden hier sofort äußern: „Ach ja, alles klar, die negative und die positive Veränderung!“ Man beachte hierbei die Erstnennung der negativen Veränderung! Diese häufig unterstellte Zweiteilung kann ich zwar in ihrer bloßen Existenz akzeptieren, jedoch sträubt sich alles in mir gegen die inhaltliche Aussage des Positiven oder Negativen. Warum, das will ich nun im weiteren einmal näher ergründen und dabei die Sinnhaftigkeit der obigen Zweiteilung untersuchen.

Bevor ich es überhaupt in Erwägung ziehen könnte eine Veränderung als positiv oder negativ zu bewerten, möchte ich mich erst einmal dem Ursprung einer jeden Veränderung nähern. Ich nenne hier ganz bewusst das Positive an erster Stelle. Ich frage also erst einmal freundlich und neutral: „Hallo Veränderung, wo kommst Du eigentlich her?“ Da die Veränderung von Natur aus nicht in der Lage ist mir zu antworten, beschließe ich nun kurzer Hand mir selbst zu antworten. Die Veränderung kann sowohl selbstbestimmten als auch fremdbestimmten Ursprunges sein. Das klingt doch schon einmal nach einer recht guten Basis. Also entweder bin ich selbst Ausgangspunkt einer Veränderung oder eben jemand anderes. Genau betrachtet beginnt eine Veränderung also in meinem Kopf oder dem einer anderen Person. Den Ursprung einer Sache zu kennen, hat grundsätzlich den Vorteil einen Betrachtungsprozess nicht versehentlich am falschen Punkt zu beginnen. Ich beginne also im Grunde dort wo die Veränderung geboren wird. Zu den Veränderungen die in niemandes Kopf entstehen und dennoch existent sind, komme ich ganz am Schluss dieser Kolumne.

Gut, was macht denn nun die selbstbestimmte Veränderung aus, was ist besonders an ihr. Ich behaupte gleich mal vorweg, dass sie die weitaus beliebtere ist. Bei dieser Form der Veränderung habe ich im Grunde alles selbst in der Hand. Ich habe in meinem Kopf entschieden, dass sie passieren soll und damit bin ich auch verantwortlich dafür, dass sie so geschieht wie ich es geplant habe. Gelingt dieses Vorhaben nicht, dann war mein Plan einfach schlecht. Niemand anderes ist an dieser Veränderung beteiligt. Vielleicht ist an der Ausführung jemand anderes beteiligt, aber nur dann wenn ich es zugelassen habe. Also bin ich auch dafür verantwortlich. Immerhin kann man bei der selbstbestimmten Veränderung davon ausgehen, dass derjenige der sie gewollt hat auch damit zufrieden sein wird, wenn die Veränderung erfolgreich stattgefunden hat. Das sollte zumindest so sein, wenn die Entscheidung für diese Veränderung tatsächlich selbst, ganz klar und aus tiefem Herzen getroffen wurde. Deshalb wird eine selbstbestimmte Veränderung, von dem der sie herbeigeführt hat in aller Regel als angenehm empfunden und schon deshalb kann sie nur die beliebtere Veränderungsform sein. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass sie auch die am meisten gewählte sein muss. Viele Menschen verharren lieber in einer eher unangenehmen Situation, als eine Entscheidung für eine selbstbestimmte Veränderung zu fällen und der Situation zu entkommen. Das liegt ursächlich daran, dass es sehr vielen Menschen grundsätzlich sehr schwer fällt eine Entscheidung zu treffen. Es wäre jedoch wünschenswert, dass die selbstbestimmte Veränderung deutlich häufiger zur Anwendung kommt, weil sie ein sehr viel angenehmeres und befreiendes Gefühl zu vermitteln vermag.

Kommen wir nun einmal zur weitaus unbeliebteren, der fremdbestimmten Veränderung. Allein das Wort fremdbestimmt dürfte so manchem Zeitgenossen schon ausreichen, sich von dieser speziellen Art der Veränderung abzuwenden. Ich möchte mich ihr aber lieber intensiv zuwenden, um einmal zu schauen ob sie tatsächlich so einen verachtenswerten Charakter hat, wie er ihr von vielen nachgesagt wird. Ich bin gespannt!

Die menschliche Spezies hat in aller Regel große Schwierigkeiten mit fremdbestimmten Veränderungen. Das kommt vor allem daher, dass wir lieber unsere eigenen Ideen verwirklichen und da kommt uns so eine fremdbestimmte Veränderung natürlich gehörig in die Quere, denn immerhin ist sie nicht unserem eigenen Geiste entsprungen. Im übelsten Fall steht sie gar unserem eigenen Wertesystem absolut gegensätzlich gegenüber. Es ist eine Veränderung, die zunächst einmal den Anschein erweckt wir müssten uns verändern um mit ihr irgendwie klar kommen zu können. Dann wäre also die fremdbestimmte Veränderung etwas, das in uns eine Veränderung bewirken kann oder soll. Moment, nochmal etwas kürzer gefasst. Eine Veränderung bewirkt eine Veränderung. Letztere könnte dann ihrerseits wiederum eine Veränderung bewirken und so weiter. Das funktioniert aber nur bei der fremdbestimmten Veränderung und nur dann wenn wir beschließen uns an eben diese anzupassen. Tun wir das nicht, wird die Kette unterbrochen. Es bedarf nur einer selbstbestimmten Veränderung um der fremdbestimmten Veränderung Einhalt zu gebieten. Ich könnte mich ja entscheiden mich nicht anzupassen (selbstbestimmte Veränderung) und damit die fremdbestimmte Veränderung nicht geschehen zu lassen, indem ich mich ihr entgegenstelle, sie quasi verhindere. Das müsste ich aber für jede fremdbestimmte Veränderung aufs neue tun, außer ich entscheide mich für eine generelle Abwehrhaltung gegenüber allen fremdbestimmten Veränderungen. Soweit die beiden weit verbreiteten Möglichkeiten auf eine fremdbestimmte Veränderung zu reagieren. Anpassung oder Abwehrhaltung, beides sehr energieaufwändige Reaktionsweisen. Die ausgeprägteste Abwehrhaltung, ist jene in der ich mich selbst der fremdbestimmten Veränderung entziehe in dem ich eine selbstbestimmte Veränderung herbeiführe die dafür sorgt, dass ich der fremdbestimmten Veränderung entkomme. Ich trenne mich also vom durch die Veränderung betroffenen Umfeld. Landläufig nennt man das Flucht, ich bevorzuge hier den Begriff Ausweichmanöver. So ein Manöver könnte ja dazu führen, das ich mein Leben völlig neu ausrichte, was ja im Grunde nichts mit Flucht zu tun hat.

An dieser Stelle soll nun einmal Mahatma Gandhi zu Wort kommen: „Wir müssen der Wandel sein, den wir in der Welt zu sehen wünschen.“

Es gibt jedoch eine weitere Möglichkeit mit Hilfe einer einmaligen selbstbestimmten Veränderung alle zukünftigen fremdbestimmten Veränderungen annehmen zu können. Ich könnte mich selbst dafür entscheiden (selbstbestimmte Veränderung der eigenen Einstellung), dass in jeder fremdbestimmten Veränderung ein Gewinn verborgen liegt, ich muss ihn nur sehen wollen. Ich selbst frage mich bei jeder Veränderung: „Was gewinne ich dabei?“. Das klingt auf den ersten Blick sehr egoistisch, ist es auch aber eben nur auf den ersten Blick. Also schauen wir doch noch ein zweites mal und etwas genauer hin. Wenn ich einen Gewinn ernsthaft erkennen will, werde ich am ehesten eine gute Beziehung zu jeder Veränderung aufbauen können, weil ich gar nicht erst begonnen habe mich ihr entgegenzustellen. Damit würde ich mich nur dem, einer jeden Veränderung innewohnenden, Gewinn von Beginn an verschließen. Gelegentlich werde ich mich als Individuum auch ganz außen vor lassen müssen um eben diesen Gewinn sehen zu können. Vielleicht werde ich weniger ICH-orientiert denken müssen. Wenn ich mich also entscheide in einer jeden Veränderung etwas Angenehmes zu entdecken, dann könnte es leicht passieren, dass es zukünftig nur noch Veränderungen gibt denen ich einen Gewinn abringen kann. Sollte mir dieser Schritt gelingen, befähigt mich das jede fremdbestimmte Veränderung auf die Ebene der selbstbestimmten Veränderung zu heben, damit wäre die erstere im Grunde entmachtet! Dazu braucht es nur eine einzige selbstbestimmte Veränderung meiner persönlichen Einstellung gegenüber Veränderungen und es handelt sich dabei weder um eine Anpassung noch um eine Abwehrhaltung. Es geht hierbei faktisch um das Erkennen einer Gemeinsamkeit zwischen der Veränderung und mir selbst! Diese Gemeinsamkeit lässt sich tatsächlich am ehesten durch Egoismus lokalisieren. Siehe da, Egoismus kann also auch ein Gewinn sein. OK, das ist ein anderes Thema … vielleicht dann im nächsten Jahr!

Selbst- und fremdbestimmte Veränderungen sind zudem keine natürlichen, materiegebundenen Veränderungen, sie entstammen unserer Gedankenwelt, sind damit rein geistiger Natur und somit losgelöst von den physikalischen Naturgesetzen. Sie sind in ihrem Ursprung tatsächlich nur Gedanken und erst im Moment der Vollstreckung schaffen sie den Sprung in die reale materiegebundene Welt durch das Sichtbarwerden ihrer Folgen. Was wir also sehen und spüren können sind jeweils nur die Folgen. Jene lassen sich nun scheinbar sehr leicht in positiv und negativ unterteilen, nur das wir dann schon lange nicht mehr bei der Veränderung selbst sind.

Hier scheint mir nun der rechte Moment zu sein, noch einmal zurück in Zeile zwanzig zu springen. Es gibt nach reiflicher Überlegung also keine positive oder negative Veränderung. Positiv oder negativ ist immer nur der Blick den ich darauf richte, welche Auswirkungen die Veränderung haben könnte. Da ich nur auf etwas blicken kann, was tatsächlich da ist, liegt folglich in den Folgen jeder Veränderung etwas Positives und etwas Negatives. Auf was nun jeder einzelne seinen Blick richten möchte sei ihm überlassen und damit liegt es auch in seiner Verantwortung wie eine Veränderung auf ihn selbst wirkt.

Ich habe versprochen zu den Veränderungen die in niemandes Kopf entstehen und dennoch existent sind, ganz am Schluss dieser Kolumne noch ein paar Gedanken zu äußern. Es geht hier nun um die natürlichen Veränderungen. Sie entstammen einzig der Natur und gehören demnach, anders als mancher vermuten würde, auch nicht zu den fremdbestimmten Veränderungen. Sie unterliegen keiner Bestimmung, sie sind einfach, sie geschehen einfach. Niemand hat sie geplant und niemand ist in der Lage ihnen Einhalt zu gebieten, weil wir ohnehin immer erst von jenen Veränderungen erfahren, wenn sich deren Folgen offenbaren. Es sind jene Veränderungen, die all das bewirken was wir Mutter Natur zuschreiben.

Nehmen wir einmal an, ein Reh steht plötzlich vor einem neu entstandenen Bachlauf (Folge einer natürlichen Veränderung). Es könnte sich nun einfach gegen diese Veränderung wehren und beschließen vor dem Bach stehen zu bleiben und nicht hinüber ans andere Ufer zu springen. Spätestens wenn sich eine Bedrohung so weit genähert hat, dass die Fluchtdistanz unterschritten ist, würde es ohne zu zögern seiner „Intuition“ folgen und doch springen, um am anderen Ufer festzustellen, dass das Bächlein ja doch einen ganz netten Schutz bietet, weil die Bedrohung nicht in der Lage ist den Bach zu überqueren. Es hat also den Gewinn der Veränderung erkannt und wird beim nächsten mal sicher gleich zum Sprung ansetzen.

Wenn es uns also gelingt eine Geisteshaltung einzunehmen, die uns befähigt eine jede fremdbestimmte Veränderung mit einem beherzten „Hurra!“ zu begrüßen und ihr einen Gewinn abzuringen, dann werden wir alle damit wesentlich leichter durchs Leben kommen und noch dazu mehr bewegen können. Wer nun weiterhin lieber mit einem „Nein Danke!“ reagieren möchte, dem ist eines gewiss. Er wird viel Energie dafür aufwenden müssen, welche anderswo eingebracht viel Gutes bewirken könnte. Damit nun keiner meint ich hätte etwas gegen das Rebellentum, ich selbst sage immer: „Rebellen braucht das Land!“ Jedoch beachte man, auch ein Rebell ist einer, der nicht nur einfach nach Veränderung ruft. Er ist einer der sie ins Leben ruft, weil er von Beginn an einen Gewinn in ihr sieht.

Das Abschlusswort hat in diesem Jahr Werner von Siemens: „Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Tür zu finden.“

Raik im Januar 2019

Auftaktkolumne 2018 – Der Wert einer Straße … GeDANKen über DANKbarkeit.

Mit dieser Kolumne hat sich etwas verändert. Der eine oder andere begeisterte Leser hat sicherlich schon gedacht es würde diesmal keine Kolumne geben. Weit gefehlt, der bisherige Erscheinungszeitpunkt am Ende des Jahres ist mir mittlerweile als Tradition sehr ans Herz gewachsen und trotzdem möchte ich ihn aufgeben, weil er mir terminlich zu sehr an der unbeeinflussbaren Vergangenheit orientiert ist. Da ich selbst ein außerordentlich zukunftsorientierter Mensch bin, sollte die Kolumne von nun an besser nicht mehr am Ende eines alten Jahres sondern zu Beginn des neuen Jahres erscheinen und selbiges tut sie augenblicklich. Einziger Wermutstropfen dabei, das Jahr 2017 muss ohne eine Kolumne auskommen. Nun gut das Jahr 2017 wird mir schon vergeben, es ist ja quasi eine unausweichliche Konsequenz.

Nun möchte ich aber endlich über den Wert einer Straße nachsinnen. Nach der allgemeinen gesellschaftlichen Meinung gibt es ja in diesem Bereich qualitativ sehr große Unterschiede. Was wir dabei noch zu klären haben ist, ob die Qualität überhaupt mit dem Wert einer Straße in Verbindung steht. Aber zuerst einmal möchte ich mich grundsätzlichen Fragen zuwenden, die da wären: Was ist die Funktion einer Straße und welchem Zweck dient sie?

Nun eine Straße ist grundsätzlich ein Wegbereiter, das klingt doch schon mal recht gut. Sie ermöglicht also durch ihre bloße Existenz an einen bestimmten Ort zu gelangen. Das würde ich hier mal als die Funktion einer Straße betrachten. Gut, an einen bestimmten Ort gelangen könnte ich auch jederzeit ohne eine Straße. Hier kommt nun der Zweck ins Spiel, dessen Beschreibung ein paar mehr Worte erforderlich macht. Der Zweck einer Straße muss dann zwangsweise sein, dass ich ohne Beil und Machete an einen bestimmten Ort gelangen kann. Die Straße erspart mir demnach das Mitführen diverser Werkzeuge, während ich an einen bestimmten Ort gelangen möchte. Der Zweck einer Straße ist also die Bereitung eines Weges. Aha, daher also die BEREITUNG im Wort WegBEREITUNG. Die Straße bereitet mir den Weg, was ich sonst selbst mit Beil und Machete tun müsste, das finde ich irgendwie nett von der Straße. Also ab jetzt finde ich jede Straße erst einmal sympathisch, weil sie mir eine Menge Aufwand und Zeit spart.

Nun gibt es Zeitgenossen denen würde nicht im Traum einfallen jede Straße sympathisch zu finden, weil sie sich eher für die Qualität einer Straße interessieren und ihnen gewisse Straßen daher einfach unsympathisch wären. Hier hilft es nun, uns einmal dem echten Wert (im Wortsinne) einer Straße zu nähern. Und weil es nur einen Weg zur Ergründung von echten Werten gibt, müssen wir dazu den Weg der Dankbarkeit beschreiten. Nun fragt sich der eine oder andere sicherlich so etwas wie: Ich soll einer Straße dankbar sein? Und ich antworte: Ja, genau darum geht es! Wir nähern uns nun im folgenden mit Dankbarkeit dem Wert einer Straße.

Wofür kann man so einer Straße dankbar sein? Ja, zu aller erst einmal für ihre bloße Existenz. Frei nach dem Motto: „Liebe Straße, ich bin dankbar dafür, dass es Dich gibt oder liebe Straße ich bin dankbar dafür, dass Dich jemand erfunden hat. Ich bin dankbar dafür, dass ich mich nicht jeden Tag durchs Unterholz schlagen muss, um irgendwann zu Hause anzukommen.“ Das klingt jetzt alles noch sehr einfach und platt, aber wir wollen tiefe Dankbarkeit der Straße gegenüber empfinden. Dazu werde ich mich jetzt einer ganz einfachen Straße zuwenden, einer völlig luxusfreien Straße. Nun gut, also danke ich dieser Straße dafür, dass sie unbefestigt ist, weil deshalb niemand (außer ein paar erschütterungsresistenten Mitmenschen) mit einer völlig unangemessenen Geschwindigkeit hindurchdonnert und es in dieser Straße darum weniger gefährlich ist. Prima, eine tolles Exemplar von Straße haben wir hier, sie achtet selbst darauf, dass es in ihr nicht zu gefährlich wird, indem sie hier und da an wechselnden Ort ein paar ordentliche Schlaglöcher entstehen lässt, wodurch sie auch gleich noch für ein niedriges Verkehrsaufkommen sorgt, weil niemand sie freiwillig in seine Wegplanung integriert. Ich danke der Straße aber noch aus einem weiteren Grund für ihr Unbefestigtsein, sie ermöglicht es dem dankbaren Radfahrer einen genüsslichen Slalom um die Schlaglöcher herum zu fahren, das kann auch Spaß machen wenn man es richtig betrachtet und kein missmutiger Zeitgenosse ist. Ich danke der Straße aber auch für das herzliche Kinderlächeln und die strahlenden Kinderaugen die sie erzeugt, wenn sie bereitwillig bei Regen all ihre Schlaglöcher mit Wasser füllt um daraus entzückende Pfützen zu formen in denen es sich herrlich und voller Ausgelassenheit herumspringen lässt (in diesem Zusammenhang möchte ich auch der Waschmaschine für ihre bloße Existenz danken). Alles wofür wir der Straße dankbar sein können führt also am Ende dazu, dass wir etwas zufriedener oder sogar fröhlicher durch die Welt laufen. Der Wert einer Straße ist folglich unabhängig davon wie ihre Qualität ist, der Wert einer Straße hängt vielmehr davon ab, was wir einer Straße an positiven Eigenschaften zugestehen. Wenn eine luxusfreie Straße für uns also nur bedeutet, dass unser Auto ständig schmutzig wird, und es ohnehin nicht gut für das jeweils genutzte Gefährt ist durch die vielen Löcher zu fahren, dann öffnen wir unser Herz eben auch nicht für die Dankbarkeit. Dann fällt uns noch nicht mal ein, dass wir ohne diese Straße den Weg den sie uns bereitet zu Fuß und mit Beil und Machete ausgestattet gehen müssten.

Wer nun glaubt es sei ein wenig lächerlich einer noch so miserablen Straße für überhaupt irgendetwas dankbar zu sein, dem sei gesagt, es ist nur ein einfaches Beispiel. Je weniger Dankbarkeit in Deinem Herzen ist, desto weniger glücklich wirst Du durchs Leben gehen, weil die vielen Wünsche und Ansprüche in Deinem Kopf Dir, für das was Dir schon gegeben ist, den Blick vertrüben. Ich nenne das auch gern Dankbarkeits-Blindheit, wobei nebenbei gesagt der Blinde meist dankbarer ist als der Sehende. Es könnte also für einige Zeitgenossen sinnvoll sein, öfter einmal die Lider zu schließen und die Welt mit den Augen eines Blinden zu sehen um mehr Dankbarkeit empfinden zu können. Nun denn, ich wünsche allzeit DANKbare GeDANKen auf allen Wegen die Du beschreitest. Das neue Jahr könnte für Dich eines der dankbarsten werden.

In jede hohe Freude mischt sich

eine Empfindung der Dankbarkeit.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Raik im Januar 2018

Weihnachtskolumne 2016 – Fordern oder Fördern? … der feine Unterschied und was er mit Gefühlen zu tun hat.

Der kluge Kopf hat gleich erkannt, der Unterschied liegt auf der Hand. Das o zum ö geschwind gemacht, das macht den Unterschied wer hät’s gedacht.

Der kluge Bauch hält kurz mal inne und schärft derweilen seine Sinne. Wenn ich’s mal näher mir betrachte, gibt es noch mehr worauf man achte.

Das Fordern an sich beinhaltet wohl so eine Art Erwartung hinsichtlich eines bestimmten Zieles. Wird etwas gefordert spielt es keine Rolle, was derjenige für den die Forderung gilt dazu für eine Meinung hat. Er kann diese zwar äußern hat aber damit nur wenig Einfluss auf das Geforderte. Hier kann also durchaus ein gewisses Ohnmachtsgefühl dafür sorgen, dass sich eine instabile Gemütslage bildet.

Das Fördern dagegen beinhaltet eine Art Wohlwollen dem Geförderten gegenüber. Im Grunde ist es sogar so, dass der Förderer im besten Falle fördert ohne ein Ziel oder eine Erwartung zu verfolgen. Das wäre dann die höchste und beste Form der Förderung. Dabei wird in vollem Umfange der Förderung darauf vertraut, dass diese ihrer besten Verwendung zugeführt wird. Hierbei wird auf eine Kontrolle gänzlich verzichtet. Der wahre Förderer glaubt also bedingungslos an das Gute und hat weder Erwartungen noch eigene Wünsche die er einbringt. Ist das nicht der Fall, so wird das ö schnell zum o und geschwind aus dem Förderer ein Forderer, womit wir dann auch gleich wieder bei den schlechten Gefühlen wären. Drum möge jeder der glaubt jemanden zu fördern peinlichst darauf achten, dass er dies auch wirklich bedingungslos und folglich ohne Erwartungen und Rückvergütungsansprüche tut. Zu fördern bedeutet eben auch loslassen können, während man Wege und Möglichkeiten eröffnet. Wer darin ein Meister ist, hat auch verstanden, was bedingungslose Liebe ist. Es ist eine Liebe, der Liebe zum Menschen wegen. Es ist eine Liebe die nicht fragt: „Wer bist Du ?, Was hast Du geleistet ?, Was willst Du noch erreichen ?“ Der wahre Förderer stellt keine Fragen, er sagt nur: „Es ist schön, dass es Dich gibt so wie Du bist und deshalb möchte ich Dich unterstützen und wenn Du auf Deinem Wege meine Hilfe benötigst, so bitte ich Dich mich zu fragen. Ich bin für Dich da, wann immer Du mich brauchst!“ Er gibt folglich auch nicht ungefragt Ratschläge und wenn er danach gefragt wird, so wird er stets mehr als eine Möglichkeit aufzeigen, damit sein Gegenüber sich frei fühlt in seiner Entscheidung! Ein wahrer Förderer liefert einfach keine Patentrezepte, er liefert ausschließlich Wahlmöglichkeiten!

Soweit eine theoretische Betrachtung. Nun möchte ich jedoch einmal zur Praxis übergehen, es folgt also der Teil in dem es amüsant werden könnte, nein es wird definitiv amüsant.

Ich beginne also gleich mit dem offensichtlichen Förderer. Das ist dann quasi so ein Typ der schon mit der Geldbörse herumwedelt, bevor er in Erfahrung gebracht hat ob ein Wunsch nach Förderung überhaupt besteht. Sollte seine Förderung auf Zuspruch stoßen, so wird er alsbald beginnen Fragen zu stellen und Forderungen einzubringen, er ist also ein getarnter Forderer !!! Man nehme sich vor ihm in Acht, er glaubt nämlich eine Förderung bestehe im Grunde nur aus finanziellem Wohlwollen mit dem Anspruch auf eine angemessene Rückvergütung! Im Grunde geht es ihm in den meisten Fällen um Ruhm. Na da kann man doch nur gratulieren, so schafft er es gleich zu Beginn ein schlechtes Gefühl zu verbreiten und doch glaubt die halbe Welt, dass er ein Förderer sei. Es ist eben so, dass sich keiner daran stört, wenn jemand mit Geld um sich wirft solange es einem guten Zweck dient. Es erkennen die wenigsten, dass er in Wahrheit nicht fördert. Nun gut, hoffen wir das die Mehrheit eines Tages erhellt werden möge und er dann zur aussterbenden Art der vermeintlichen Förderer gehören möge.

Der zweiten Art Förderer, ist der Egoist in den Leib gefahren. Er kommt direkt als erstes mit seiner Forderung aus der Höhle, bevor er überhaupt erwähnt wie er fördern möchte. Er versteckt sich also gar nicht erst sondern lässt für das geübte Auge gleich erkennen, dass er ein Forderer ist. Das ungeübte Auge ist jedoch blind für diese Unterart des vermeintlichen Förderers, es sieht daher ganz klar und deutlich, dass es sich um jemanden handelt der bereit ist etwas zu geben, wenn er dafür etwas bekommt, denn er stellt seine Forderung so offensichtlich, das sich ganz eindeutig das allgemein anerkannte Geben-und-Nehmen-Prinzip widerspiegelt. Da er sich selbst aber als Förderer ausgibt, beinhaltet seine ach so milde Gabe gleich auch das Entstehen schlechter Gefühle, denn ein wahrer Förderer erwartet keine Gegenleistung.

Nun gibt es eine scheinbar vom Aussterben bedrohte Art, den wahren Förderer. Über selbigen habe ich eingangs schon ein paar Worte geschrieben. Nun wollen wir uns dieses Prachtexemplar menschlicher Existenz doch noch ein wenig genauer in seinem praktischen Dasein nähern. Eines sei gleich vorweg erwähnt. Es ist, im Gegensatz zu den vermeintlichen Förderern, bei ihm nicht möglich, dass er versehentlich oder vorsätzlich seine zwei Punkte über dem ö verliert, denn er ist von Natur aus ein Förderer. Das gemeinhin gültige Geben-und-Nehmen-Prinzip ist ihm völlig fremd, was eine wahre Förderung im übrigen erst ermöglicht. Aber dazu später mehr. Zuallererst ist dem wahren Förderer bewusst, dass eine Förderung in ihrem grundsätzlichen Wesen schon vor der Erfindung des Geldes existierte und somit nicht im geringsten auf die Existenz des Selbigen angewiesen ist. Er ist folglich losgelöst von dem Gedanken eine Förderung müsse in finanzieller Form geschehen, um eine Förderung sein zu können. Er ist sich dessen Gewiss, dass seine Förderung den richtigen Weg finden wird egal in welcher Form sie auch immer erfolgen möge. Für die phantasielosen Zeitgenossen füge ich hier einmal einige Beispiele an. Er kann durch sein Wissen, seine Erfahrung, seine Weisheit, seine Ruhe, seine Ausgeglichenheit usw. fördern. Wem jetzt hier schon die nötige Vorstellungskraft abhanden gekommen ist, der möge kurz inne halten und sich fragen, welcher Art von Förderer er derzeit gedanklich am nächsten ist und sich entscheiden auf welche Seite er sich zukünftig schlagen möchte.

Nun gut ich werde einmal fortfahren mit dem althergebrachten Geben-und-Nehmen-Prinzip. Es gibt eine dem Urvertrauen entspringende Sicherheit, die diesem Prinzip zum verwechseln ähnlich ist, jedoch bei genauerer Betrachtung grundverschieden ist. „Ich kann geben, weil ich weiß, dass auch mir gegeben wird. Wenn mir gegeben wird, nehme ich was ich brauche, alles andere gebe ich weiter. Es gibt von allem genug, für alle.“ Diesem Grundsatz, der in keinster Weise einem kommunistischen Gedanken entsprungen ist, hat sich wohl der wahre Förderer verschrieben. Er gibt ohne jede Frage nach der Verwendung, er hilft nur wenn er darum gebeten wird, er drängt sich nicht auf, er gibt Rat, wenn er auf Ratlosigkeit trifft und bei allem was er tut ist er ohne Erwartung. Es ist ihm demnach egal ob seine Ratschläge erhört werden, es genügt ihm völlig, dass er sie geben konnte. Und jetzt kommt das was ihn so besonders macht, er fragt hinterher nicht, warum hast Du meinen Rat nicht befolgt. Er weiß eben, dass eigene Wege jene sind, die uns am reichsten an Erfahrungen machen und betrachtet sich eben nur als einen Wegbereiter nicht mehr und nicht weniger!

Zum Abschluss möchte ich nun noch ein kleines alltägliches Beispiel anführen. Ein obdachloser Mann sitzt im Winter in der Fußgängerzone im Schneidersitz und hat vor sich einen Hut platziert. Ein Passant kommt vorbei und wirft eine Münze in den Hut, der Obdachlose bedankt sich freundlich. Die Theorie, der Obdachlose bittet mit seinem aufgestellten Hut um Hilfe, das ist in soweit eindeutig, als man davon ausgehen kann, dass er den Hut dort im Winter nicht platziert hat, weil ihm zu warm auf dem Kopf gewesen ist. Es handelt sich also im Grunde um eine Bitte nach einer wahren Förderung, denn was mit dem eingeworfenen Gelde geschieht, weiß ein jeder der etwas hineinwirft nicht. Manch ein Passant möge sich genötigt fühlen etwas hineinzuwerfen und den Hut als Forderung betrachten, diese Art von Passant klammern wir nun einfach mal aus. Nun gut es ist also ungewiss was mit dem Gelde geschehen wird, sobald es den Boden des Hutes in Richtung Hosentasche des Obdachlosen verlassen hat. Jetzt könnte nun ein Passant kommen den diese Ungewissheit stört und der im Glauben der Obdachlose werde es verspeisen, ein leckeres frisches belegtes Brötchen in den Hut legt. Nun dem wird wohl auch so sein, dass der Obdachlose das Brötchen vertilgt und er wird sicher auch dankbar dafür sein, jedoch hat der Passant seine eigene Erwartung mit in den Hut gelegt und sich damit vom wahren Förderer entfernt. Was übrigens der erste Passant auch getan hat, denn er nimmt auf Grund gesellschaftlicher Prägung an, dass der Obdachlose auf Geld aus ist.

Nun es mangelt an Passanten nicht und so kommt ein dritter des Weges, sieht den Obdachlosen mit seinem Hut, hält kurz inne und tut etwas ungewöhnliches. Er setzt sich schweigend im Schneidersitz neben den Obdachlosen und stellt seinen eigenen Hut vor sich selbst hin. Eine Weile herrscht Stille, dann schauen sich beide an und der Passant fragt den Obdachlosen ganz leise etwas. Der Obdachlose antwortet ihm, woraufhin beide ihre Hüte nehmen und gemeinsam fortgehen. Am nächsten Morgen sitzt der Obdachlose wider an gleicher Stelle, aber es hat sich etwas verändert, er trägt den Hut auf seinem Kopf anstatt ihn vor sich hinzustellen.

Was war geschehen. Der Obdachlose war an einen wahren Förderer geraten, denn er hat ihm nicht einfach Geld in den Hut geworfen, oder ihm ein leckeres Brötchen hineingelegt. Es geht eben nicht immer um Geld und wir wissen eben nur selten was andere wirklich brauchen. Der dritte Passant hatte sich sich zunächst einmal auf die Ebene des Obdachlosen begeben und ihn dann gefragt: „Guter Mann, was fehlt Dir am meisten“ und der Obdachlose hatte geantwortet: „Ich wäre gern an Weihnachten nicht allein“. Und so kam es, dass er am 25. Dezember wieder an gleicher Stelle saß, den Hut auf dem Kopf tragend sich in Zufriedenheit wiegend, wohl wissend, dass es jemanden gab der ihm ein Wunsch erfüllte, nur weil er unvoreingenommen und ohne eigene Erwartungen auf ihn zuging. Es will eben nicht jeder Obdachlose ein neues Leben anfangen …!

Raik im Dezember 2016

Weihnachtskolumne 2015 – Der Sinn am Unsinn … das sinnlos erscheinende macht erst am Ende einen Sinn.

Gleich zu Beginn dieser Kolumne stellt sich mir die Frage: „Macht es überhaupt einen Sinn über Sinn und Unsinn zu „kolumnieren“ oder ist das im Grunde völliger Unsinn. Nun hat sich mein Gehirn gerade einmal im Kreis gedreht und schon stehe ich wieder da, wo diese Kolumne begonnen hat.

Nun, ich habe trotzdem beschlossen mich auf dieses Thema einzulassen und einen genüsslichen Text daraus zu zaubern. Beginnen möchte nun mit einem Zitat, das jenen die meine Internetseite bis ins kleinste Eckchen durchforstet haben bekannt vorkommen dürfte. Hier ist es nun und bildet die Einleitung in dieses sinnreiche Thema:

Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt die Menschheit seit je her. Eine allgemeingültige Antwort hierzu gibt es nicht. Was ist der Sinn des Lebens? Es gibt Ihn wohl so generell gar nicht, vielmehr entsteht er durch unser Tun und unser Handeln, ja durch unser Sein an sich. Der Sinn ist somit nicht bereits vor uns da, er entsteht erst durch unser Sein. Und so sind wir schlussendlich der Sinn selbst, personifiziert, handelnd, denkend. Wir sind demnach auf dem Holzweg, wenn wir den Sinn des Lebens suchen, denn er selbst hat uns bereits gefunden und wohnt uns inne. Sind wir ja in jedem Augenblick gerade dabei ihn selbst zu erschaffen, quasi durch uns selbst. Wir sind der Sinn und der Sinn sind wir, alles ist der Sinn.“ Oder aber der Unsinn, das gilt es nun zu klären.

Im Zitat geht es im Grunde mehr um den Lebenssinn, als um den Sinn oder Unsinn einer Sache an sich. Trotzdem trägt es die scheinbar nicht sichtbare Antwort in sich. Der Sinn entsteht also durch mich selbst und dann bin ich demnach von seiner Existenz und von seiner inhaltlichen Qualität überzeugt, deshalb sage ich ja auch: „Das macht für mich Sinn!“

Wenn etwas nicht in mein persönliches Sinnbild (aha, mein Sinnbild ist also anders, als das anderer Menschen) passt dann sage ich eher: „Das macht für mich keinen Sinn!“ Da bin ich dann noch gut gelaunt und bringe zum Ausdruck, dass etwas für mich nicht mit meinem Sinnbild übereinstimmt, ich die Sache an sich aber tolerieren und akzeptieren kann.

Nun gehen wir mal einen Schritt weiter. Was passiert, wenn ich sage „Das ist für mich völliger Unsinn!“ Hier spreche ich der Sache an sich schon gleich mal die Möglichkeit ab, überhaupt einen Sinn zu haben. Sehr gewagt, denn woher will ich denn wissen ob es nicht irgendwo in der Welt jemanden gibt, der auch der letzten Schandtat noch einen Sinn beimessen kann. Besser wäre es natürlich nach dem Sinn zu fragen bevor ich ein Urteil fälle. Wie gesagt es entscheidet sich alles darin, dass jeder sein persönliches Sinnbild hat und somit könnte nun jedem Unsinn auch ein Sinn zugeordnet werden. Folglich könnte jeder Sinn ein Unsinn und jeder Unsinn ein Sinn sein, mmmhhh ich habe das Gefühl mein Gehirn hat sich schon wieder einmal im Kreis gedreht und ich befinde mich wieder auf Zeile 4 der Kolumne.

Nun Frage ich mich wie kann ich denn eine allgemeingültige Antwort darauf finden, ob etwas einen Sinn macht oder nicht. Meine Antwort lautet, das unmögliche möglich machen zu wollen macht keinen Sinn, es wäre aus meiner Sicht völliger Unsinn. Es gibt keine allgemeingültige Aussage bezüglich des Sinns oder Unsinns einer Sache, denn ich selbst entscheide ja nur was für mich einen Sinn macht und was nicht. Ich kann mich dabei auf niemanden anders verlassen oder berufen, denn nichts ist so individuell wie ich selbst und damit ist es auch mein Sinnverständnis. Die Beurteilung einer Sache hinsichtlich der Sinnhaftigkeit hängt also in hohem Maße von meiner Toleranz ab. Diese wiederum ist eng verwoben mit allem was mich umgibt und prägt, mit meinem Verständnis anderer Menschen, Meinungen und Ansichten. Wäre ich also unendlich tolerant, gäbe s für mich auch nur den Sinn und nicht den Unsinn.

Was wir nun daraus lernen ist einfach und doch schwierig. Es gibt den Unsinn nicht wirklich, es gibt nur den Menschen der ihn als selbigen betrachtet, er existiert quasi nur im menschlichen Denken. Er hat keine wirkliche Seinsebene, während der Sinn, mit maximaler Toleranz betrachtet, im Grunde genommen einem Naturgesetz gleicht. Je nach betrachtendem menschlichen Individuum kann allem ein Sinn beigemessen werden, aber es wird Dinge geben bei denen es unmöglich sein dürfte ihnen einen Unsinn beizumessen, daran rührt kein Zweifel.

Es ist unsere ganz persönliche Freiheit über den Sinn einer Sache zu entscheiden, diese Freiheit ist unantastbar, denn sie wohnt uns inne so wie der Sinn uns innewohnt. Sie wird ähnlich dem Sinn durch uns selbst erschaffen. Wir selbst sind der Sinn und die Freiheit, jeder für sich selbst. Das macht uns so einzigartig und verschieden und ich bin dankbar dafür, dass unsere Welt so bunt ist, wie wir sie heute erleben.

Diese innere uneingeschränkte Freiheit der Entscheidung hinsichtlich des Sinnes einer Sache, birgt auch immer eine Gefahr mit der wir zwangsläufig leben müssen. Es wird immer wieder Menschen geben, die dem durch sie herbeigeführten Elend anderer Menschen einen Sinn beimessen können. Das ist der Preis den diese Freiheit erhebt und trotzdem ist sie unser wertvollstes Gut. Was jeder einzelne tun kann, um sie zu bewahren ist sein Sinnbild in die Welt hinaustragen und mehr Gleichgesinnte zu finden als jene, deren Sinnbilder er selbst als Unsinnsbild bezeichnet. Am Ende erkennst Du den Sinn drin, dass das Gute am Sinn nicht selbstverständlich ist und es noch immer gilt dieses Gute zu wahren und zu schützen und dafür einzustehen.

Nun bleibt mir nur noch Euch allen eine beSINNliche Weihnacht und einen guten Start in ein SINNvoll erfülltes Jahr 2016 zu wünschen. Ich wünsche Euch ein Höchstmaß an persönlicher , innerer Freiheit und ein gutes Gespür, diese SINNvoll einzusetzen.

Schließen möchte ich in diesem Jahr mit den Worten von Václav Havel:

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Raik im Dezember 2015

Weihnachtskolumne 2013 – Erwartungen … warum ihnen die Enttäuschung inne wohnt und die Folgen.

Erwartungen haben wir alle. An uns selbst, an unser Leben, an andere und vielleicht sogar an die Welt insgesamt. Grundsätzlich sind Erwartungen sehr nützlich, denn sie helfen uns persönliche Ziele zu erreichen. Das ist gut, solange es tatsächlich der Erreichung unserer persönlichen Ziele dient. Nur all zu oft werden Erwartungen von außen an uns herangetragen und wir neigen nicht weniger oft dazu sie unbedingt erfüllen zu wollen. Hierbei passiert nun folgendes. Die Erwartungen von außen werden wie von selbst zu unseren eigenen Erwartungen an uns selbst und wir bemerken oft gar nicht was da eigentlich geschieht. So haben wir dann innerlich die Erwartung, die Erwartungen der anderen erfüllen zu müssen.

Tritt jemand mit einer Erwartung an uns heran könnten wir uns aber auch sagen: „Gut, das sind deine Erwartungen. Ich persönlich habe an mich selbst die Erwartung, alles in meiner Macht stehende zu tun, um deiner Erwartung möglichst nahe zu kommen.“ Wenn wir so reagieren, wird die Erwartung des anderen nicht automatisch zu unserer eigenen. Wir räumen uns in gewissem Maße einen mehr oder weniger großen Spielraum ein, indem wir uns bereiterklären unser möglichstes zu tun. Wir geben jedoch nicht unser Einverständnis eine hundertprozentige Erwartungserfüllung zu garantieren. Die Erwartung des anderen ist somit nicht zu unserer eigenen Erwartung geworden. Vielmehr haben wir uns im Geiste so eine Art Unter-Erwartung kreiert, welche dann unserer ganz persönlichen Erwartung gegenüber der Erwartung des anderen entspricht. Nun könnte der andere am Ende sagen: „Du hast meine Erwartungen nicht erfüllt“. Eine mögliche Antwort wäre: „Ja richtig, dass war auch nicht meine Aufgabe, denn es waren deine Erwartungen. Meine Erwartung war mein bestes zu geben und das habe ich getan. Wenn mein bestes nicht ausreichend war, könnte an deiner Erwartung etwas nicht korrekt gewesen sein.“ Werden die Erwartungen der anderen jedoch zu unseren eigenen Erwartungen an uns selbst und werden diese schlussendlich nicht erfüllt, erleben wir selbst und die anderen eine Enttäuschung. Wandeln wir die Erwartungen anderer um, bevor wir sie uns zu eigen machen , schafft uns dies ein wenig Freiheit und wir sind am Ende vielleicht selbst gar nicht enttäuscht, sondern nur die anderen.

Haben wir selbst Erwartungen an andere, wohnt jenen Erwartungen bereits die Enttäuschung inne, denn unsere eigenen Erwartungen werden nie gleich den Erwartungen der anderen sein. So planen wir also mittels unserer Erwartungen an andere unsere eigenen Enttäuschungen. Je genauer wir unsere Erwartungen mit denen der anderen abgleichen, desto weniger werden wir am Ende enttäuscht sein. Also sollten wir mutig sein und unsere Erwartungen mit anderen besprechen und abgleichen.

Was die Erwartungen an uns selbst betrifft, sollten wir realistisch sein und nicht zu viel von uns erwarten. So können wir Enttäuschungen vermeiden, denn pro erfahrener Enttäuschung, unabhängig von deren Größe, brauchen wir acht positive Erfahrungen, um die Enttäuschung wieder auszugleichen und das Gleichgewicht herzustellen. Wir sollten demnach lieber kleinere Erwartungen haben, die auch erfüllbar sind. So vermeiden wir von vornherein enttäuscht zu werden.

Nun könnte sich so ein ganz schlauer denken, dann erwarte ich eben nichts mehr. Nun so einfach ist das nun auch wieder nicht. Indem er nichts erwartet, erwartet er ja von sich das ihm dieses Experiment gelingt. Und so liegt selbst im nichts erwarten eine Erwartung.

Hin wie her, ohne Erwartungen kommen wir wohl im Leben nicht aus. Es ist also gut sich mit den Erwartungen anzufreunden, sie liebevoll zu gestalten und nicht zu groß werden zu lassen. Je achtsamer wir mit den eigenen und den Erwartungen der anderen umgehen, desto weniger Enttäuschungen durch unerfüllte Erwartungen werden wir erfahren.

Immer wieder erfahren wir in Gesprächen über den Alltag, dass die Erwartungen auch im Arbeitsleben immer größer werden und der persönliche Druck zunimmt. Dieser Druck entsteht jedoch nur, wenn wir uns äußere Erwartungen zu eigen machen, sie folglich für unsere eigenen Erwartungen halten und zu erfüllen versuchen. Hier hilft es auch mal zu prüfen, ob eine von außen kommende Erwartung unter realistischen Gesichtspunkten realisierbar ist. Wenn nicht, dann können wir eine Erwartung auch einmal besprechen und korrigieren. Ist dies nicht möglich kann eine Erwartung auch einmal nicht erfüllt werden, wenn diese nicht den eigenen Wertmaßstäben für Erwartungen entspricht.

Nur Mut auch einmal „NEIN“ zu sagen braucht man dafür. Dieser Mut wird belohnt, denn er schafft uns die Freiheit auch einmal Luft zu holen, Ruhe für Entspannung zu finden und Erfolge durch erfüllte Erwartungen zu erleben. Erwarten wir doch auch einmal von uns selbst, etwas für unsere Seele zu tun, einfach mal abzuschalten und unsere Sinne zu schärfen und ganz bei uns zu sein.

Gerade in der Weihnachtszeit sollten wir achtsam mit unseren Sinnen umgehen. Es ist die Zeit der Düfte, Leckereien, Klänge, Lichter und Wärme. Für jeden Sinn ist etwas dabei. Jagen wir doch einmal nicht irgendwelchen Erwartungen hinterher, die mal eben noch schnell erfüllt werden müssen. Lassen wir diese sinnliche Zeit nicht an uns vorbeirauschen, genießen wir wieder etwas Ruhe.

Nun bleibt mir noch allen ein besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen, ein Fest ohne große Erwartungen an dem wir dankbar sind für das was uns gegeben ist. Üben wir uns doch einmal darin nichts zu erwarten, einfach einmal in Dankbarkeit alles anzunehmen was uns umgibt. Bewahren wir uns in 2014 unsere persönliche Freiheit. Ich wünsche uns allen einen guten Start.

Die letzten Worte spricht in diesem Jahr Benjamin Franklin:

Nichts schmerzt so sehr wie fehlgeschlagene Erwartungen, aber gewiß wird auch durch nichts ein zum Nachdenken fähiger Geist so lebhaft wie durch sie erweckt, die Natur der Dinge und seine eigene Handlungsweise zu erforschen, um die Quelle seiner irrigen Voraussetzungen zu entdecken und womöglich künftig richtiger zu ahnen.“

Raik im Dezember 2013

 

Weihnachtskolumne 2012 – Vielfalt … was Tomaten mit der Energiewende gemeinsam haben

Wir leben in einer Welt, zu einer Zeit in der wir von einer Vielfalt umgeben sind, die uns teilweise entmachtend gegenübertritt. Die Menschheit hat derart viel Wissen erlangt, dass sich dieses nicht selten als hinderlich erweist. Aufgrund unseres umfangreichen Wissens sind wir ständig am abwägen: Was wäre besser, einfacher oder genialer? Manchmal vergessen oder versäumen wir darüber auch einmal eine Entscheidung zu fällen. Es fällt uns gar schwer uns überhaupt zu entscheiden, denn was wäre wenn …? Unsere Wahlmöglichkeiten sind so vielfältig und komplex, dass es uns nicht selten misslingt in dieser Vielfalt die Orientierung zu behalten. Nehmen wir einmal das Beispiel der Entscheidungsfindung beim Tomatenkauf.

Da gibt es den „Armen“. Er hat es hierbei am einfachsten, er kauft einfach die günstigste Sorte, weil er sich nur diese leisten kann. Der „Durchschnittliche“ hat es am schwersten, denn er hat die Qual der Wahl. Er kann abwägen ob er die rote, die gelbe, die runde, die ovale, die fleischige, die fruchtige, die Rispe, die Roma oder die Party-Tomate nimmt. Der „Reiche“ hat es nicht ganz so schwer. Er kauft einfach die teuerste. Oder er ärgert sich über die Abwesenheit der völlig überteuerten „Super-Duper ökologischen, fair gehandelten, um die halbe Welt gereisten, Nachhaltigkeits-Bio-Tomate“ aus dem Genlabor und rennt in den nächsten Laden um selbige dort zu finden. Allen dreien ist eines gemeinsam, jeder muss am Ende eine Entscheidung treffen. Tut er dies nicht, ist er der Vielfalt erlegen und geht ohne Tomate nach Hause, was ja irgendwie auch eine Entscheidung wäre.

Nun einmal zu einem etwas komplexeren Thema, der Energiewende. Von den preiswertesten und am einfachsten zu regelnden Formen der Energiegewinnung verabschieden wir uns so langsam. Ein guter Schritt in die richtige Richtung hört man von überall her. Nun wird der Strom aber teurer, das ist aber blöd, hört man von überall her. Wir wollen am liebsten zum Preis des Kohle-Kernenergie-Mixes den „Super-Duper. ökologischen, fair gehandelten, ungefährlichen Nachhaltigkeits-Bio-Strom“ aus der Steckdose. Wie aufwendig es in Zukunft sein wird, ihn dort hin zu bekommen, darüber machen wir uns keine Gedanken. Auch hier sind die Möglichkeiten sehr vielfältig. Wir können Solarkraftwerke, Blockheizkraftwerke, Windkraftanlagen, Biomassekraftwerke, Wasserkraftwerke und noch einige andere nutzen, um die dort gewonnene Energie dann mittels noch nicht vorhandener Infrastruktur in Form von Hochspannungstrassen über das gesamte Land zu verteilen. Das wird uns noch lange viel Geld und Mühe kosten, aber am Ende wird es unsere Welt ein wenig sauberer und sicherer machen, und das wiederum wollen wir im Grunde doch alle, nicht wahr? Die Entscheidung darüber, wie wir uns in Zukunft mit Strom versorgen, fällt nun aber nicht wie beim Tomatenkauf jeder einzelne von uns. Vielmehr ist es eine Entscheidung unserer Regierung. Möglicherweise hat diese etwas zu schnell entschieden, aber vielleicht wäre es übler gewesen ohne Tomate nach Hause zu gehen und alles so zu lassen wie es war. Wir werden es nie erfahren, denn entschieden ist entschieden. So ist es oft im Leben, wer keine Entscheidung trifft erliegt der Vielfalt der Wahlmöglichkeiten. Wer sich entscheidet, entscheidet sich auch für die Konsequenzen.

Wir könnten ja vielleicht in Zukunft nur noch die billigste Tomate kaufen, um mit dem dort eingesparten Geld die Energiewende zu bezahlen? Viel öfter sollten wir uns fragen, was gibt es wesentliches im Leben, was ist existenziell wichtig, was ist die Essenz unseres Lebens und wie wollen wir diese bewahren? Verzicht auf der einen Seite kann Gewinn auf der anderen bedeuten? Hier entscheidet nun wieder jeder für sich, wie demütig er dem Leben gegenübertritt, gleich ob beim Tomatenkauf oder bei der Energiewende.

Wann immer wir also mal wieder Tomaten auf den Augen haben und der Durchblick ein unbekannter Fremder geworden ist, wird es Zeit die Tomaten (ganz gleich ob es gelbe, rote, runde, ovale, fleischige, fruchtige, Rispe oder Roma sind) abzunehmen und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Was an Konstanz nie verlieren wird, sind unsere Werte. Sie sind fest in uns verankert, seit Generationen. Das Menschsein wohnt uns inne und wenn wir uns darauf besinnen, spüren wir wie nahe und vertraut uns die Einfachheit ist und uns gut tut. Es lohnt sich ab und an der Vielfalt den Rücken zu kehren und ohne Tomaten nach Hause zu gehen. Wiederum gibt es Situationen in denen Entscheidungen von größter Bedeutung für das fortbestehen unserer Welt sind.

Noch vor rund 70 Jahren ging es hierzulande eher darum zu überleben. Diese Sorge haben wir heute nicht mehr, vielmehr sind wir damit beschäftigt unser Leben frei zu gestalten. Die existenzielle Frage stellt sich uns heute gar nicht mehr und dadurch vergessen wir oft was das Essentielle in unserem Leben ist. Wir leben in einem Land, in dem jeder versorgt ist, es niemandem an existenziellen Dingen fehlt. Wenn wir das Gefühl haben es fehle uns etwas, befinden wir uns bereits im gestalterischen und nicht im existenziellen Bereich. Lehnen wir uns also zurück, besinnen uns auf das Wesentliche so werden wir zufriedener, glücklicher und demütiger in die Welt blicken. Alles was es dazu braucht ist die Bereitschaft einige von unseren gestalterischen Wünschen aufzugeben. Das wäre ein guter Vorsatz für 2013!

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine zauberhafte Weihnachtszeit mit von Ökostrom erleuchtetem Baum und einfachen Tomaten, aber vor allem ein von Liebe, Wärme und Zufriedenheit erfülltes Fest. Genießt die schmackhaften Speisen, weihnachtlichen Düfte, harmonischen Klänge, glänzenden Lichter und die warme Geborgenheit. Genießt mit allen Sinnen.

Die letzten Worte spricht in diesem Jahr Friedrich von Bodenstedt:

Wer nicht den tiefen Sinn des Lebens im Herzen sucht, der sucht vergebens. Kein Geist, und sei er noch so reich, kommt einem edlen Herzen gleich.“

Raik im Dezember 2012